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Sven Böttcher

Wal im Netz

Die Zukunft ist einfach nicht mehr das, was sie einmal war, bevor William Gibson den Cyberspace erfunden hat. In naher Zukunft hängt alles am Netz, Stadtwerke, Post, Pornokanal, einfach alles. Und, wer das Netz kontrolliert, sitzt am Drücker.

Das muß auch Inspector Victor Sherman feststellen, als irgendwann im nächsten Jahrhundert in seiner Dienststelle die Meldung eintrudelt, daß ein Irrer namens Moby Dick in totsichere Systeme eingebrochen ist. Der Spaß hört auf, als Moby Dick seine virtuellen Muskeln spielen läßt und die Wasserversorgung der Stadt lahmlegt.

Der dicke Meeressäuger erweist sich als übermächtiger Gegner für Sherman und seine Crew. Jede Spur endet in einer Sackgasse. Es gibt Ärger mit fliegenden Pizzadrohnen, brutalen Kindergangs und religiösen Massenmördern. Als ob das noch nicht genug wäre will Shermans Freundin auch noch Sex. So richtig körperlich wie früher und nicht virtuell. Es sieht zunächst also gar nicht rosig aus. Doch Shermans neuer Mitarbeiter, der computerbegeisterte Scapegood, bringt virtuelles Licht ins Dunkel und die Verfolgung beginnt. . .

Sven Böttcher, vielen bekannt als Übersetzer von Douglas Adams, schickt mit "Wal im Netz" bereits zum dritten Mal Inspector Sherman auf Verbrecherjagd. Die Stärke des Romans liegt eindeutig darin, daß man jetzt schon nachlesen kann, wie sich das Neunzigerjahre-Revival im nächsten Jahrhundert anlassen wird: mit lustigen Gerichten wie "Serbische Schlachtplatte" und "Geschnetzeltes Gorazde".

(th)

 

Cover Sven Böttcher-Wal im Netz