Buchkritik Zur Startseite

Simone Borowiak

Ein Zug durch die Gemeinde

(Goldmann)

Simone Borowiak hat es geschafft. Souverän hat sie ihre härtesten Konkurrentinnen Hannelore Kohl und Hella von Sinnen auf der linken Spur überholt und gilt inzwischen als die Nummer 1 der Frauen, mit denen sich ein Mann niemals verabreden würde. Nicht einmal wegen einer verlorenen Wette - von wegen Ehrenschulden und so.

Das hat seine Gründe. Erstens, sie ist über dreißig. Zweitens, sie schreibt Artikel für die Titanic und manchmal auch ganze Bücher. Und genau das ist gerade wieder passiert.

Wenn man davon ausgeht, daß FRAU RETTICH, DIE CZERNI UND ICH ein Werk der frühen Borowiak ist und BARONESS BIBI ein Werk der späten, dann repräsentiert EIN ZUG DURCH DIE GEMEINDE die mittlere Borowiak. EIN ZUG DURCH DIE GEMEINDE ist das, was der Titel bereits vermuten läßt: eine Sammlung von kürzeren Texten, die so etwas wie ein Rundumschlag durch den Kosmos der euphorischen Misanthropin darstellen.

In 12 Kapiteln resümiert sie über die großen Themen, die uns alle bewegen: Freundschaft, die Reichen und Schönen, Reisen, Religion und andere Verbrechen. Es gibt ein Wiedersehen mit Frau Rettich, der Czerni und Baroness Bibi. Abgerundet wird die Sammlung durch hausgemachte Poesie, die selbst den stärksten Männern das Wasser in die Augen treibt.

Der besondere Reiz dieses Buchs liegt jedoch in der unnachahmlich nonchalanten Art, mit der sie ihre Tiefschläge verteilt. Kurzum EIN ZUG DURCH DIE GEMEINDE ist ein Bevier für Defätisten und somit unentbehrlich für das Verständnis der Welt als solcher.

(th)

 

Cover von Ein Zug durch die Gemeinde