GLOSSAR

McJob:

Die Bezeichnung stammt von dem amerik. Begriff "Mac", was etwa unserem abfällig gebrauchten Wort "Meister" gleichkommt. "He Meister, volltanken! " Damit wird ein Hilfsarbeiterjob auf unterstem sozialem und finanziellem Niveau bezeichnet, der auch keine echten Aufstiegsmöglichkeiten bietet; eine recht würdelose Angelegenheit.

Downnesting

Bei den recht umzugswilligen US-Amerikanern hat es sich eingebürgert, daß sich die Eltern eine kleinere Wohnung nehmen, sobald die Kinder aus dem Haus sind. Es ist praktischer, wenn man sich um drei Zimmer weniger zu kümmern hat, darüberhinaus bewahrt es die Plagen davor wieder zuhause einziehen zu wollen, sobald sie ihre erste Scheidung oder psychische Krise erleben.

Voverboarding:

heißt eigentlich nichts anderes als Überkompensieren, ein typisches Verhalten von Städtern, die ihre Zukunftsängste, Schwächen und Versagen durch Ersatzhandlungen zu verdrängen suchen. Hals über Kopf wird ein neues Outfit oder ein neuer Lebensstil angenommen. Beliebter Anlaß sind Trennung vom Partner oder Jobverlust; beliebte Ausprägungen neues Outfit oder wenigstens eine neue Frisur als Ausdruck eines neuen Lebensgefühls, Umsteigen auf Vegetarische Küche und liebäugeln mit fanatisch betriebenen Tätigkeiten wie Extremsportarten, Umweltschutz, politisches Engagement. Oft ist das OVERBOARDING ein Symptom für den sich anbahnenden MID-TWENTIES BREAKDOWN.

Mid-Twenties Breakdown:

Der MID-TWENTY-BREAKDOWN ist eigentlich nichts anderes als eine vorverlegte Midlife Crisis. Sie wird in Deutschland hauptsächlich gepflegt von Langzeitstudenten, die ihr Studium mehr oder weniger erfolgreich beendet haben (HEINZEN, KOCH: "Von der Unnötigkeit erwachsen zu werden") aber auch vielen anderen Mitte-Zwanzigern, die auf einem vorläufigen Höhepunkt in ihrer Karriere angelangt sind und es fortan nur noch schleppend vorangehen wird (ELIZABETH WURTZEL: "Verdammte schöne Welt - Generation X zwischen Depression und Psychotrip"). Der Konsum von Psychopharmaka hat in Deutschland zwar auch angezogen, beliebter sind allerdings die Ausprägung nichtstofflicher Süchte, wie sie unter dem Schlagwort OVERBOARDING aufgeführt sind. Häufig wird auch versucht sich einen völlig neuen Lifestyle aus den folgenden Aspekten zurechtzuschustern, was in der Regel recht plakativ vonstatten geht bzw. gehen muß, denn eine Veränderung ist nur so gut, wie sie für Dritte ersichtlich ist: neues Outfit, neue Wohnung, neuer Job, neue Partner, neues Bewußtsein.

Safety net-ism:

Der zum Teil unbewußte Glaube daran, daß egal was passiert man immer von einer weichen Hand aufgefangen wird, wenn die Tücken des harten Lebens zuschlagen, gemeint sind karitative ehrenamtliche Hilfsorganisationen mit Namen wie ´Eltern´ und ´Freunde´, die dann als psychosozialer Mülleimer herhalten müssen und dafür ggf. einen finanziellen Obulus zur Unterstützung des Bedürftigen leisten können. In diesen Aspekt wird auch der Staat mit der Möglichkeit der Sozialhilfe eingebunden. "Hier in Deutschland verhungert niemand, und wenn du auch noch einen deutschen Paß hast, bist du aus dem Gröbsten raus."

Lessness:

Der Ausdruck für eine Minimalismus-Philosophie. Sie beruht darauf, daß man hochgestochene Wünsche, Ziele und Ideale auf den Boden der Tatsachen herabholt. Dadurch gehen viele Wünsche in Erfüllung, die Frustrationstoleranz ist gewahrt und man hat das Gefühl etwas erreicht zu haben, ohne daß man viel dafür getan hat. "Weißt du, ich brauche nicht viel zum Leben, alles andere bringt ja eh nur Streß. Die Hauptsache ist doch, daß man glücklich ist. "Diese Ansicht demonstriert das Flucht-nach-vorne-Verhalten der Verlierer und ist symptomatisch für die Verzicht-Generation.

101-ism (Freudsche Haarspalterei):

Schon Rock-Veteran Wolf Maahn besang ihn: den Hobby Freud, die lästigste Gattung Mensch seit Arno Schmidt, die mit angelesener, halbverstandener populärer Psychologie auf alles im Leben eine Antwort hat und ihre eigenen Neurosen und Psychosen auf andere projezieren: "Sieh dir die Leute hier doch mal an, sie lachen, umarmen und küssen sich, dabei wissen die gar nicht, wie krank sie eigentlich sind! "

Personality tithe:

"Der Preis, den man bezahlt, wenn man ein Paar wird; vormals lustige Menschen werden langweilig. " Nach der Balzzeit beginnt die Phase des Nestbaus, das ist in der Natur so und auch bei den Klamotten tragenden Lebewesen. Es findet seinen Ausdruck in der Vorliebe stundenlang gemeinsam IKEA-Kataloge zu wälzen, Video schnödem Kino vorzuziehen (zu viele Menschen), lustige Gesellschaftsspiele (Therapy) mit anderen Pärchen zu inszenieren und bei Parties stundenlang mit dem eigenen Partner zu flirten.

Rebellion postponement:

Darunter versteht man das verspätete Nachholen der Jugend. Man trifft dies am häufigsten bei Karrieretypen an, die sich für Karriere und gegen ihre Jugend entschieden haben. Jahre später wird dies als Verlust empfunden und es wird versucht dies nachzuholen. Diesem Verhalten wird in Deutschland durch das Tragen von Swatch-Uhren, Micky Maus-Krawatten und Klugscheißerbrillen Rechnung getragen. Sehr beliebt sind auch demonstrative Kompensationsversuche beispielsweise ein übersteigertes Sport(unfall)bewußtsein für Extremsportarten wie Bungee, Downhill-Rennen und Triatlon.

Café-minimalism:

heißt für eine Minimalismus Philosophie eintreten, ohne jedoch in Wirklichkeit irgendeinen ihrer Grundsätze in die Tat umzusetzen oder auch nur ernsthaft mit diesem Gedanken spielen. Zudem ist es ein sehr dankbares Thema, dem sich Theken-Che Guevaras verpflichtet fühlen, die ihre Theorien für eine neue Weltordnung zwischen Martini bianco und Tequila Sunrise entwickeln; ein Phänomen, das an den Theken der In-Kneipen zwischen Flensburg und Oberammergau zu beobachten ist.

Me-ism:

"Das Trachten eines Individuums nach einer selbstgeschneiderten Religion, ausgelöst durch das Nichtvorhandensein traditioneller religiöser Grundsätze. Meistens ein Mischmasch aus Wiedergeburt, persönlichem Dialog mit einem nebulösen Gott, Naturalismus und karmabezogenem Auge-um-Auge-Verhalten. "

Political correctness:

P.C. das Schlagwort 1993 in den USA. Hierzulande hat es als Schlagwort nicht so recht durchsetzen wollen, trotz der Bemühungen von Spiegel, Zeit und Spex. P.C. bezeichnet den politisch korrekten Umgang mit brisanten Themen, was konkret zu einer Reglementierung des jeweils zulässigen Vokabulars, als auch der inhaltlichen Richtlinie vorgibt. Es ist letztlich nichts anderes, als eine unausgegorene Mischung aus der Theorie der Sprachforscher Sapir und Whorf, verquirlt mit einem guten Schuß amerikanischer Moralvorstellungen, die davon ausgehen, daß sich ein moralischer Mensch moralisch einwandfrei ausdrückt. Der Umkehrschluß wird auch gemacht: durch das Aneignen einer unmoralischen Sprache wird ein Mensch unmoralisch. Das Schlagwort P.C. das dem Ruf nach einem sauberen Amerika gerecht werden wollte hat allerdings eher das Gegenteil bewirkt: p.c. ist alles andere als politisch korrekt, p.c. rassistisch, denn es führt zur Verbannung der afroamerikanischen Sprache aus dem Rundfunk und damit aus der Öffentlichkeit, da sie das F-Wort oder gar Schlimmeres benutzen, wenn sie in Hip-Hop und Rap von Rassismus, Gewalt und Ungerechtigkeit erzählen, mit der sie tagtäglich konfrontiert werden.

R.E.M.:

Die Formation um den Sänger Michael Stipe ist die wohl p.c.ste Band der Welt, ein Musterbeispiel an Konformität in der Generation X. Ihre musikalische Botschaft bewegt sich auf angenehm linksliberale Weise zwischen Anpassung und Sozialkritik und geht auf die Schlagworte und individuellen Krisen der Generation X ein: "Losing My Religion. " Bei diesen Saubermännern fällt kein böses Wort, ist auch nicht nötig, denn die netten Jungs von nebenan präsentieren vor laufender Kamera die neue Bescheidenheit, sind sie doch alle sehr darauf bedacht, ihr erwirtschaftetes Kapital in der alternativen Energiewirtschaft und in ideologisch einwandfreien Projekten zu investieren - und zu vermehren. Kein Wunder also, daß sich Douglas Coupland dazu hinreißen läßt, Michael Stipe ein Kapitel seines letzten Buchs "Life After God" zu widmen. R.E.M. ist der fleischgewordene Wunschtraum des sauberen, des guten Amerika.

Cocooning:

der Rückzug in die eigenen vier Wände. Er erfolgt angesichts von einschneidenden Erlebnissen, für die die Außenwelt verantwortlich gemacht wird. Im konkreten Fall Raubüberfälle u. ä. Am häufigsten sind die Ursachen eher mentaler Art: man will eben möglichst wenig mit der harten Außenwelt zu tun haben, die ja doch nur für Enttäuschung und Frustration gut ist.

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