Buchkritik Zur Startseite

 

Wladimir Kaminer

Die Reise nach Trulala

(Manhattan)

 
 

Wladimir Kaminer ist unterwegs. Unterwegs nach Trulala. Wie bei vielen Schriftstellern sind auch seine fünf Erzählungen in erster Linie Reisen, die an seinem Schreibtisch entstanden sind. Oder, wie der Pole Tadeusz Rózewicz es ausdrückte: "Oft bin ich ein Adler, so kommt's mir vor am Schreibtisch". Dass für eine Nation, die Jahrzehnte lang hinter dem eisernen Vorhang weggesperrt war, das Reisen eine besondere Bedeutung einnimmt, liegt auf der Hand und so ist es nicht verwunderlich, dass dieses Fernweh Gegenstand der fünf Erzählungen ist.

Kaminer beschreibt in der ersten Geschichte "Verfehltes Paris" augenzwinkernd, wie er und sein Freund Andrej hauptsächlich mit dem festen Willen lebten, irgendwann nach Paris zu kommen. Daraus entwickelt sich eine verschmitzte Geschichte, die vom Hötzchen zum Klötzchen kommt und mit Reiseerlebnissen aus zweiter Hand glänzt. Feinsinnig seziert Wladimir Kaminer die Eigenarten der westlichen und der östlichen Kulturen und hält auch nicht hinter dem Berg damit, dass Ost-Berlin zu UdSSR Zeiten hauptsächlich sein Wunsch-Reiseziel war, um AC/DC Platten zu kaufen.

Trotzdem kann man nicht darüber hinwegsehen, dass gerade die erste Erzählung, die sich über fast 80 Seiten erstreckt, einige Längen aufweist. Manchmal weiß man nicht so genau, wohin der Autor will und hat das Gefühl, er verliert sich in zu vielen Nebenhandlungen. Aber vielleicht hat er uns damit auch nur einen reinrassigen Reisebericht untergejubelt, der nicht außen vorlässt, dass die Sonne nicht immer scheint und man nicht nur die coolsten Typen im Urlaub kennenlernt. "Die Reise nach Trulala" ist gespickt mit wilden Typen, die den Mut haben aufzubrechen und sich von ihrem Weg nicht abbringen zu lassen, auch wenn sie nicht wissen, wohin er sie führt. Koffer packen – mitfahren!

(dmm)

 



Zum Hinternet-Weblog Zum Kalender Galerie zum Archiv Impressum