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Burgheim und Brunndorf liegen
im Abseits. In Niederösterreich, schlimmer noch: dicht an der tschechischen
Grenze. Gut genug für arrogante Wiener Wochenendhäusler, die
Luft und Landschaft genießen und die Dorfgemeinschaft ignorieren.
Die Dörfler wiederum machen sich nichts vor. Grimmige Weinbauern,
verstörte Schulkinder, rüstige Witwen - stoisch gehen sie ihrem
Tagewerk nach, auch wenn ihre archaische Welt bröckelt. Dass ständig
Fahrräder geklaut werden und an den absonderlichsten Orten wieder
auftauchen, ist noch das Geringste. Nein, Skinheads und Schlepperbanden
machen der Idylle viel mehr zu schaffen. Dagegen wirken die zwei Toten
eines Frühlingstages fast harmlos: ein waghalsiger Motorradfahrer
und der Dorftrottel. Nur Simon Polt, der Gendarm, will nicht an die Unfall-Versionen
glauben und forscht weiter.
Privat versorgt der sympathische Junggeselle einen gefräßigen
Kater und hegt zarte Gefühle für die junge Dorflehrerin. Dienstlich
entlockt er seinen Mitbürgern die nötigen Informationen am liebsten
bei einem guten Tropfen, bevorzugt in deren Kellern. Denn unter den Häusern
erstreckt sich ein Gewirr von Gängen und Räumen, so dicht wie
das New Yorker Subway-Netz. Eine zweite Welt unter der ersten, wie auch
hinter der geruhsamen Fassade des Landlebens nach und nach die unvermeidbaren
(menschlichen) Abgründe zum Vorschein kommen. Faschistoides Gedankengut,
von Einzelnen in die Tat umgesetzt, mag da noch ein Extrem sein. Aber
die kleinen Diskriminierungen von Außenseitern gehören auch
bei den Durchschnittsbürgern zum guten Ton. Und der nachlässige
Umgang mit der Jugend wird in der Zukunft noch schlimme Folgen haben.
Am Ende, wenn Polt seine Fälle gelöst hat, ist kaum ein Bewohner
frei von Schuld. Als Leser möchte man trotzdem wiederkommen. Die
Chancen dafür stehen gut, denn "Blumen für Polt" ist
bereits die Fortsetzung des Vorläufers "Polt muß weinen"
(1998 mit dem Glauser-Preis ausgezeichnet). Der erfreulich menschelnde
Polizist und die perfekt gestrickte Kriminalgeschichte sind allerdings
"nur" Vehikel für Alfred Komareks poetische Landschaftsschilderungen,
die wiederum "nur" die Szenerie für seine unerbittliche
Milieustudie stellen.
Dass man die Lektüre zwar mit mulmigem Gefühl, aber nicht mit
schalem Nachgeschmack beendet, liegt an der Sprachfähigkeit des Österreichers.
Ruhig und unaufgeregt fließen die Sätze dahin. Mit der Einfachheit
der Roman-Figuren, aber auch mit der Liebe, die diese sich selbst viel
zu wenig gönnen. Leicht zu lesen, trotzdem von hoher Intensität!
(Katja Preissner)
Alfred
Komarek: Blumen für Polt
Haymon, 190 Seiten, 29,80 Mark.
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