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Alexander Smoltczyk

James Bond - Berlin - Hollywood
Die Welten des Ken Adam

(Nicolai)

 
 

Die wichtigsten Männer der James Bond-Filme? Sean Connery. Die Bösewichter. Mr. Q. Vielleicht noch der Komponist der Titelmelodie. Oder die Sänger der Filmsongs. Ken Adam? Nie gehört.

Dabei dürfte Ken Adam unschätzbaren Anteil am Erfolg der Filme haben. Denn Ken Adam ist Set-Designer. Er hat Interieurs geschaffen, wie etwa die eleganten Sixties-Räume in Dr. No. Er hat unzählige Schaltzentralen entworfen. Fahrzeuge, Gimmicks, Räume. Ken Adam war der eigenliche Mr. Q! Oft hat er durch seine Einfälle sogar die Story beeinflusst: weil Ken Adam die Idee zu einer Art Schnellbahn hatte, die durch die Halle des Bösewichts fährt, wurden Szenen für die Bahn ins Drehbuch zum „Spion, der mich liebte“ geschrieben. Überhaupt – die Gemächer der Bösewichter. Die Unterwasserwelt in „Dr. No“, der Tarantelraum, die futuristische Spinne im „Spion, der mich liebte“, der begehbare Vulkan in „Man lebt nur zweimal“ – alles Geschöpfe von Ken Adam.

...der eigentlich Klaus Adam heisst und als Deutscher geboren wurde. Ins blühende Berlin der 20-er Jahre. Sein Vater hatte ein Sportwaren-Geschäft an der Friedrichstraße. Und: die Familie Adam war jüdisch. Nur durch die eindringlichen Warnungen der älteren Brüder von Ken Adam ließ sich der Vater überreden, vor den Nazis zu fliehen. Im englischen Exil starb er bald, die Mutter musste die Familie über die Runden bringen.

Ken Adam erlebte den Zweiten Weltkrieg als Jagdflieger – als Deutscher auf englischer Seite: eine absolute Sensation. Die Erlebnisse, die Lebensgefahr und auch die Geschwindigkeit haben den Mann, der schon vorher Zeichner werden wollte, geprägt. Kenner finden diese Prägung in seinen Set-Entwürfen wieder. Schon in den Skizzen (von denen etliche im Buch abgedruckt sind) nimmt einen die Expressivität, eine Art statische Rasanz, gefangen. Adams Talent und seine Ausbildung ließen aus den Zeichnungen schon die bestmögliche Kameraperspektive erkennen. Und sie waren so exakt berechnet, dass die Handwerker sie 1:1 nachbauen konnten.

Kenner finden in seinen Entwürfen aber auch die Heimat- und Ruhelosigkeit von Ken Adam wieder. Trotz der großen Klarheit und Transparenz verweigern sie manchmal die Zentralperspektive – findet sich nirgends ein Punkt, an dem sich das Auge festhalten kann.

Die berühmteste von Ken Adams Erfindungen stammt aber nicht aus einem James Bond-Film, sondern aus Kubricks „Dr. Seltsam“: der War Room. Die Schaltzentrale der Weltmacht. Einer, der sie besonders überzeugend fand, war Ronald Reagan, der beim Einzug ins Weiße Haus als erstes nach dem „War Room“ fragte.

Überhaupt – die Zusammenarbeit mit Kubrick... Sie muss die Schwierigste für Ken Adam gewesen sein. Trotzdem ließ er sich zur erneuten Zusammenarbeit für „Barry Lyndon“ überreden. Um mehr denn je unter Kubricks Schrullen zu leiden. „Die Welten des Ken Adam“ ist auch ein hervorragendes Buch über das Film-Business und über Film-Geheimnisse. Man sieht sie mit anderen Augen, wenn man weiß, wie viel Arbeit und Phantasie auch auf die „leblosen“ Darsteller verwendet werden.

Das lange Leben des Ken Adam verfolgt das Buch bis zum „Fall Furtwängler“ nach. Und als Leser weiß man nun: Ken Adam ist mindestens der zeitwichtigste Mann in den (meisten) James Bond´s. Vor Ian Fleming. Nach Sean Connery.

(kp)



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