Buchtipps für den Gabentisch Zur Startseite

 

Aufgrund einiger Anfragen von Lesern im Weihnachts-Geschenknotstand haben wir uns entschlossen, noch kurzfristig eine Seite mit last minute-Buchgeschenktipps ins Programm zu nehmen.

Wer eins oder mehrere Bücher nach Klick auf den jeweiligen Amazon-Link bestellt tut sogar noch ein gutes Werk, da wir von jedem verkauften Buch ein paar Prozent abbekommen.

Wer aber einen fähigen Buchhändler oder eine kundige Buchhändlerin seines/ihres Vertrauens in der Nähe hat, der/die unterstütze lieber den deutschen Einzelhandel.

 

 

Kultbuch aus Island

Hallgrimur Helgason: 101 Reykjavik (Klett-Cotta)

Gehst du in ein Reykjaviker Café, stößt du mit ziemlicher Sicherheit auf einen vor seinem Notebook sinnierenden Menschen, der gerade dabei ist, einen Roman zu schreiben. Dieser Mensch ist zumeist männlich, jung und übernächtigt, verbringt die Tage im Bett oder Café, die Nächte ebenfalls, nur in umgekehrter Reihenfolge.

Wir wissen nicht, wie Hallgrimur Helgason seinen Roman 101 Reykjavik geschrieben hat. Aber wohl so ähnlich. Und sein Held verbringt die Tage im Bett oder im Café, guckt Pornos, hört Pop und - "Hi Fidelity" läßt grüßen - führt Listen, in denen er Frauen nach ihrem Marktwert taxiert. Er trifft auf Lesben, Schwangere, kaputte Typen, reichlich viel Schrott und Plunder - aber ich kenne kaum einen zeitgenössischen isländischen Roman, in dem das nicht so wäre.

Das Ganze ist ziemlich realistisch und komisch, mit dem typischen Brachialhumor der Isländer und vollkommen "Schau mal, ein Islandpferdchen!"-frei, was den Roman für ca. 90% der Islandfans ungenießbar macht. Alle anderen sollten einfach lesen. Vorsicht: Nicht zuviel rein interpretieren! Muss nicht sein!

Übrigens: Der Roman wurde verfilmt, ein Soundtrack mit u.a. Damon Albarn belegt das.

(dpr)

 

Hallgrimur Helgason:
101 Reykjavik
(Klett-Cotta)
440 Seiten, €22,00

Zielgruppe: 10% Islandfans und der Rest

Onkel Max als Knigge des 21. Jhdts.

Max Goldt: Wenn man einen weißen Anzug anhat

Nach einer wahren Kompilationsflut endlich mal wieder etwas wirklich Neues von Max Goldt. Und hört nicht auf manche Kritiker, die rumnölen, das sei doch nicht mehr der alte, verschrobene Onkel Max. Die Form des Tagebuchs hat ihn vielleicht dazu gebracht etwas erdverbundener zu schreiben. Da geht es dann um Probleme wie die Gefahren des Busfahrens (und vor allem Busumsteigens), seltsame Nachbarn und die darauf folgende Wohnungssuche, aber auch um den 11. September.

Noch deutlicher als früher kehrt Goldt den Knigge in sich heraus und gibt sich mal als Sprachkritiker, mal als Ratgeber in Benimm- oder Kleiderfragen und tadelt schon mal sein eigenes Publikum, weil es an den falschen Stellen lacht. Wenn er so weiter macht ist er mit 70 vielleicht ein unausstehlicher Stänkerer und Besserwisser. Jetzt kommen seine Ratschläge aber noch erfrischend unaufdringlich und vor allem mit einem - überhaupt nicht arrogant wirkenden - Verständnis für die Jugend daher dass es auch diesmal wieder eine Freude ist.

(rori)

 

Max Goldt:
Wenn man einen weißen Anzug anhat
(Rowohlt)
160 Seiten, €16.90

Zielgruppe: alle Goldt-Fans und die, die's werden sollen

Das Hinternet-Mitarbeiter-Buch des Jahres

Harald Martin: Paul McCartney

Harald M. ist Gelegenheits-Mitarbeiter bei Hinternet, deshalb läuft dieser Buchtipp ausser Konkurrenz.

Hier kennt jeder Harald Martin als beinharten Beatles- (und Nietzsche-) Fan. Dafür ist die Bio dann erfrischend distanziert (und mit einer dezenten Portion Ironie) ausgefallen und erzählt den Aufstieg vom "kleinen" Paul zum reichsten (aber ziemlich spießig lebenden) Musiker der Welt

Nichts für Menschen allerdings, die in einer Bio das Leben ihres Stars chronologisch und ohne kritische Zwischentöne durchgekaut bevorzugen. Und vielleicht auch nichts für Menschen, die Lennon für den alles überragenden Beatle halten.

 

Harald Martin:
Paul McCartney
dtv-premium
3 Seiten, 12,95

Zielgruppe: Beatles-Fans, Macca-Fans und Leute, die denken, dass früher die Musik sowieso viiiiiel besser war.

Jeden Tag ein neues Buch

Harenberg Literatur Tageskalender 2003

Das praktische Geschenk für die leidlich Kulturbeflissenen. Harenberg recyclet hier die Daten aus einer Unmenge von eigenen Nachschlagewerken zu leichtbekömmlichen Infohappen. Zu jedem Tag die wichtigsten Geburts- und Todesdaten und ein Kurzartikel. Dazu Abbildungen von Büchern, Autoren, Filmszenen etc. Ideal als kulturelle Sättigunsgbeilage zum Frühstückstee oder Müsli.

P.S.: Harenbergs Tages-Kalender gibt es auch in den Geschmacksrichtungen Musik und Literatur

(bg)

 

Literatur Tageskalender 2003
(Harenberg )
€12,68

Zielgruppe: Für Literaturfreunde und Menschen, die sich für "Wer wird Millionär" fitmachen wollen

 

Kleine Fundgrube. Schenke-Tipps von Pop bis zu den Sternen.

 

Wie wär's mit einem Buch über Popmusik? Ja, okay, Nick Hornbys "High Fidelity" hat wahrscheinlich schon jeder, aber warum nicht Giles Smith mit seinem "Lost in Music. Eine Pop- Odyssee."? Im UK schon 1995 erschienen hat es ganze sieben Jahre gedauert, bis es ein Verlag in Deutschland verlegen wollte. Was eine Schande ist, denn was Smith da erzählt aus seinem eigenen Leben von der frühen Liebe zur Musik bis hin zum kurzfristigen Plattenvertrag als Mitglied der Cleaners from Venus ist saukomisch geschrieben. Neben Horbys Werk eines der besten Bücher der letzten Jahre über Musikobsessionen. Und es sei als Pflichtlektüre allen auf die große Karriere hoffenden Nachwuchsmusikern dringend ans Herz gelegt - es könnte viel Unheil vermeiden helfen..

Oder soll's lieber etwas aus den Spiegel-Top Ten sein? Im Bereich Sachbuch empfehlen wir je nach Zielperson entweder Kurt Cobains Tagebücher (Kiepenheuer & Witsch, €19,90) oder "Nichts als die Wahheit" von Dieter Bohlen. Letzteres vor allem für Leute, die ihrer Neigung zu Klatsch eher verschämt nachgeben. Die anderen haben es eh schon.

Und Belletristik? Da fällt die Wahl ganz klar auf "Die Korrekturen" (Rowohlt, €24,90) von Jonathan Franzen, Liebling des Feuilletons in diesem Jahr und das völlig zu Recht: 700 Seiten Familiengeschichte aus dem Mittleren Westen der USA zwischen Tragik und Komödie.

Ebenso zwischen Witz und Horror pendelt David Foster Wallaces brilliante Reisreportage, für die ihn die US-amerikanische Zeitschrift "Harper's Magazine" auf eine Kreuzfahrtmit einem Ozeanriesen schickte. Der Titel "Schrecklich amüsant - aber in Zukunft ohne mich" (marebuchverlag, €18,-) gibt bereits die Richtung an.

Die Buchhändler sagen, in dieser Saison gehe der Geschenk-Trend weg vom (teuren) Hardcover, hin zum Tschenbuch. Also noch ein Tipp aus dem - hier eher selten gelobten - Heyne-Verlag. Nach der Pleite des Haffmanns-Verlag verschwanden auch die ganzen dort neuübersetzt wieder aufgelegten Stories und Romane von Philip K. Dick aus den Regalen. Einige Bände tauchen jetzt wieder im Repertoire von Heyne auf. Da gibt es mit "Der unmögliche Planet" (Heyne, €12,95) eine über 800 Seiten dicke Storysammlung, die auch den Titel "Best of" verdient hätte. Den im Rahmen des "Minority Report"-Kurzhypes erschienene Geschichtenband gleichen Namens braucht nur der Hardcore-Fan, da fast alle Storys auch in "Der unmögliche Planet" vertreten sind. Und für die Freunde der Langform sei heute "Die drei Stigmata des Palmer Edritch" (Heyne, €9,95) empfohlen - nicht der einfachste, aber einer der besten aus Dicks reichhaltigem Oeuvre. Mehr zu Dick übrigens demnächst auf dieser Site.

Frohes Fest!

(wm, rori)

 

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