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Die Endzeit der Delphine,
so der Titel seines ersten Albums, liegt jetzt erstmals in deutscher
Bearbeitung vor. Es erschien 1984 unter dem Titel Fragmentos
de la Enxiclopedia Delfica und zeigt einen Künstler,
der noch ganz am Anfang seiner Entwicklung steht. Prado selbst
schaut auf sein Erstlingswerk recht skeptisch zurück. Kein
Wunder, hat ihn doch seine persönliche Entwicklung in eine
andere Richtung getrieben, als es Die Endzeit der Delphine
ahnen ließ.
Mit seinem Debutalbum hatte sich der sympatische
Spanier ein großen Ziel gesteckt: Eine Chronik der Menschheit
vom Atomzeitalter bis ins Jahr 10.000 zu schreiben. Die Geschichte
der Menschheit vom homo sapiens über den homo novo bis hin
zum homo finis, der die Erde verläßt und resigniert
sein Glück in der Weite des kosmischen Raums sucht.
Prados Erzählungen beginnen im frühen 21.
Jahrhundert und zeichnen einen Weg vor, der so ungewöhnlich
gar nicht scheint. Visionen von heute werden morgen wahr: Schnittstellen
vom Gehirn zum Computer funktionieren, die Robotik ist soweit,
lebensechte Androiden herzustellen und die Erschließung
und Kolonialisierung des Weltalls hat Alltagscharakter.
Aber im Vergleich zur rasant fortschreitenden technischen Entwicklung bleibt die menschliche Psyche ganz die alte. Habgier, Machthunger, Ignoranz und Boshaftigkeit sind nicht auszurotten. Konflikte und Intrigen nehmen eine neue Gestalt an, aber das Dilemma bleibt im Grunde genommen immer dasselbe. Die Menschheit bleibt auch weiterhin bestrebt, sich und ihre Umwelt zugrunde zu richten.
Angesichts der weltpolitischen Lage von 1982-84,
in der Prado dieses Album realisierte, angesichts der Spaltung
der Welt in zwei unnachgibige Machtblöcke, der beginnenden
Weltraum-Rüstung und der grassierenden Zerstörung der
Umwelt ist Die Endzeit der Delphine zu einem sarkastischen
Album geraten, das der Menschheit keine positive Zukunft einräumt.
Am Ende verlassen die Menschen den Planeten Erde und übergeben
ihn den Delphinen, die versöhnlicher mit diesem Erbe umgehen.
Prado verarbeitete die unterschiedlichsten Strömungen im Bereich SF in diesem Projekt. Er erweckte keine elektrischen Schafe zum Leben, sondern Vögel, ließ Lems Androiden führende Positionen einnehmen und bezog seine unterdrückten Rassen vom Planeten der Affen. Prados Talent zeichnet sich allerdings dadurch aus, daß er nicht nur mit diesen Versatzstücken spielt, sondern die Essenz im Anliegen der zitierten Autoren zu einem Gesamtwerk vereinigt. Auch wenn Prado selbst Die Entzeit der Delphine inzwischen mit einem Stirnrunzeln betrachtet, der Leser wird von diesem Album nicht enttäuscht werden.
(th)