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Die Schienenmenschen
Nordamerika in einer nicht mehr fernen Zukunft: Die Jaguars, eine
aus schwarzen Outlaws zusammengewürfelte Gang, leben in einem gepanzerten
Zug. Die Schienen sind ihre Heimat und ihr Jagdrevier. Durch Überfälle,
die an Brutalität kaum zu überbieten sind, versorgen sie sich
mit allem, was sie brauchen. Kein Wunder, daß den Behörden
dieser anhaltende Terror ein Dorn im Hintern ist, der sie unruhig in
ihren Chefsesseln herumrutschen läßt. Doch alle Versuche,
den Terror zu stoppen, sind gescheitert. Jetzt soll Wolf Pearce, ein
in Ungnade gefallener schwarzer Cop, in die Jaguar-Gang eingeschleust
werden. Mit seinen Informationen sollen die Schienenmenschen gestellt
und vernichtet werden. . .
David
Chauvel, der sich bereits mit DIE KALTBLÜTIGEN als
Szenarist hervorgetan hat, gelang mit DIE SCHIENENMENSCHEN ein Wurf,
den ihm viele seiner Kollegen erstmal nachmachen müssen. Er setzt
sich souverän über die Grenzen des Action-Comics hinweg, das
sich oft genug auf einen mit Explosionen und Stahlgewittern gespickten
Kampf zwischen Gut und Böse reduzieren läßt, dessen
Ausgang seit der Erstveröffentlichung von Grimms Märchen feststeht.
Chauvel geht die Sache kritischer an, er hat seinen Shakespeare gelesen
oder auf Video gesehen. Die Grenzen zwischen Gut und Böse verlieren
ihre Gültigkeit. Sie werden zu bloßer Nomenklatur der Sieger.
Für die Polizei als langer Arm des Staates ist Wolf Pearce lediglich
ein Bauernopfer, das gebracht wird, um die eigenen Interessen zu schützen,
ein schwarzes Bauernopfer zudem. Pearce ist eine in sich zerrissene
Gestalt. Als Cop steht er auf der ´richtigen´ Seite eines
rassistischen Regimes mit der ´falschen´ Hautfarbe. Als Gangsta
hat er die ´richtige´ Hautfarbe, steht aber außerhalb
des Gesetzes. Er ist ein Lockvogel, der von den Weißen verachtet
und von den Schwarzen verstoßen wurde. David Chauvel zeigt
mehr als nur eine Sicht der Dinge. Einseitigkeit ist ihm fremd. Die
Outlaws, die nach außen hin lediglich durch ihre Massaker in Erscheinung
treten, entpuppen sich bei näherem Hinsehen als ein Haufen, am
Rassismus der legalen Welt gescheiterter Existenzen, die sich in ihrem
Zug eine wohlorganisierte Welt mit eigenem Kodex geschaffen haben. Die
Auseinandersetzung zwischen beiden Welten, der legalen und der illegalen
wird zu einem Fanal der Borniertheit zwischen Schwarz und Weiß,
an dem nicht nur Pearce, sondern auch noch viele andere zu zerbrechen
drohen, die sich nicht auf das Schwarz-Weiß-Denken einlassen wollen.
David Chauvels DIE SCHIENENMENSCHEN ist der beste Beweis dafür,
daß das ´oder´ zwischen ´Action oder Anspruch´ getrost
gestrichen werden kann. Manchmal ist eine Erkenntnis halt wie ein Schlag
in die Magengrube.
(th)
David Chauvel/Fred Simon
DIE SCHIENENMENSCHEN
Bd. 1 DIE JAGUAR-GANG
Carlsen Verlag 16,90 DM
ISBN 3-551-72241-2 |
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