Filmkritik Zur Startseite

Dobermann

 
Was schenkt man dem Kind von heute zur Taufe? Eine Frage, die sich für den Patenonkel des kleinen Yann (Vincent Cassel) nicht stellt: Er legt dem Nachwuchs seines Ganovenkumpels einfach eine brandneue A 357er Magnum in die Wiege. Dann stellt sich ihm einen glänzend schwarzer Dobermann zur Seite, der für den richtigen Spitznamen sorgt, und schon hat der Knabe die besten Voraussetzungen, um sich zu einem gefürchteten Verbrecher zu entwickeln. Tatsächlich hat es der Dobermann Jahre später zum Anführer des coolsten und brutalsten ▄berfallkommandos von Paris gebracht. Auch mit seiner Freundin hat er es gut getroffen, denn sie vereint drei Eigenschaften in sich, die einem Gangsterbo▀ und Macho eben gefallen: Nat ist schie▀wütig, sexy und stumm. Damit quasi auf dem Höhepunkt seines jungen Lebens plant Dobermann seinen grö▀ten Coup: Die Erleichterung sämtlicher Banken von Paris um ihre Geldvorräte an nur einem Tag. Eine Aktion, die den menschenverachtenden Fascho-Bullen Christini (TchÚky Karyo) auf den Plan ruft. Die Jagd auf den gerissenen Dobermann gerät für ihn fortan zur persönlichen Vendetta.

Seinen Standpunkt, Vorschriften hätten in der Fiktion nichts zu suchen, macht der französische Regisseur Jan Kounen mit seinem Erstlingswerk auf jeden Fall deutlich. Kommissare, die in ihren Methoden den Verbrechern an Brutalität in nichts nachstehen, gibt es eher selten im Kino zu sehen. Auch in punkto Waffeneinsatz - es wird gebombt und geschossen, bis das Blut in Strömen flie▀t - und Drogenkonsum wird keine Rücksicht auf Verluste genommen. Damit hält sich Kounen in seinem "City-Western" natürlich eng an die gleichnamigen Groschenheft-Vorlagen von Kultautor Joel Houssin und treibt seine Interpretation der Story durch einfallsreiche Schnitte, Zooms und gelegentliche Aufteilung der Leinwand in unterschiedliche Szenen noch auf die Spitze. Da▀ man sich in dieser action-reichen Comic-Verfilmung dabei gnadenlos einiger ClichÚes in Hinblick auf Gesetzesbrecher wie -hüter bedient, ist wiederum nicht besonders originell. Aufgesetzt wirken vor allem die Charaktere des sensiblen Gangsters Pitbull (Chick Ortega) und des Transvestiten Sonia (Stephane Metzger). Auch einen tieferen Sinn wird man hier vergebens suchen. Aber das hat Freunde des kompromi▀losen Trashs ja schlie▀lich noch nie gestört.

(sm)

Zuletzt rezensierte Filme: Gangs of New York - 8 Mile - Ghostship - Der Schatzplanet - The Tuxedo – Gefahr im Anzug

[ ▄bersicht Filmkritiken ]