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Das geheimnisvolle Kleid

 
Da zieht manch eine Frau bedenkenlos ein Kleid an und weiß gar nicht, was sie damit bewirkt. Aufklärung naht in Form der augenzwinkernden Farce von Regisseur Alex van Warmerdam. Der Holländer hat um die Lebensphasen eines Kleides, von der Entstehung bis zum Ende, fünf Episoden über jene Menschen gestrickt, die das gute Stück tragen und jene, denen es auffällt.

Anstatt Freude zu bereiten, verursacht das grellbunte Stoffmuster für die Sommerkollektion nur Ärger: Der künstlerische Berater eine Textilfirma erzürnt sich ob der Farben mit seinem Chef und muß deshalb seinen Arbeitsplatz räumen. Davon weiß die ältere Haufrau Stella (Elisabeth Hoijtink) nichts, die sich das Kleid trotz der Einwendungen ihres Ehemanns kauft und dafür mit dem Leben bezahlt. Der Wind weht es in die Hände des Hausmädchens Johanna (Ariane Schluter), die dadurch die Aufmerksamkeit des Fahrkartenschaffners De Smet (Alex van Warmerdam) auf sich zieht. Er gerät in derart heftige Erregung, daß er die Frau verfolgt und zu verführen versucht. Als ihr zweites Rendezvous in einer äußerst unangenehmen Erfahrung endet, gibt Johanna die Sommerrobe in die Altkleidersammlung, wo es gekürzt und an die junge Chantalle (Ricky Koole) verkauft wird. Auch sie kommt nicht um eine böse Begegnung mit De Smet herum, dessen erotische Phantasie durch das Kleid zur erschreckenden Höchstform aufläuft. Auf Chantalles Flucht vor dem zudringlichen Schaffner wechselt das luftige Stück ein letztes Mal die Besitzerin.

In seiner ebenso komischen wie unheimlichen Geschichte nimmt sich Regisseur und Hauptdarsteller Alex van Warmerdam der Thematik des Kampfes der Geschlechter auf unkonventionelle Weise an. Es geht darin nicht um Karriere sondern vielmehr um Begierde und Macht. Ein wenig mulmig wird es einem schon, wenn die Lust der Männer auf die jeweilige Trägerin eines bunten sexy Sommerkleids auch vor zumindest seelischer Vergewaltigung keinen Halt macht. Immer wieder läßt van Warmerdam die Gewalt in seinen Szenen wirken, wenn sie auch durch einen skurrilen Verlauf viel von ihrer Bedrohlichkeit verlieren und dabei einen ironischen Unterton erkennen lassen. Auf technische Effekte hat der holländische Filmemacher in seinem Werk weitgehend verzichtet. Wie eine aufgelockerte Dokumentation mit einflochtenen kleinen Abenteuern mutet sein originelles Werk an, das einen künstlerischen Anspruch verdeutlicht und trotzdem leicht bleibt.

(sm)

Zuletzt rezensierte Filme: Gangs of New York - 8 Mile - Ghostship - Der Schatzplanet - The Tuxedo – Gefahr im Anzug

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