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Große Erwartungen

 
Eigentlich bin ich nur wegen Robert De Niro in diesen Film gegangen. Der Inhalt nämlich klang eher nach etwas, was locker zum Film des Monats bei TM3 hätte werden können: Die ausgesprochen exzentrische Lady Dinsmoor (Anne Bancroft) holt sich darin den Waisenknaben Finn, als Erwachsener gespielt von Ethan Hawk, zur Unterhaltung ihrer reizenden Nichte Estella, als junge Frau dargestellt von Gwyneth Paltrow, in die heruntergekommene Villa. Die dem Martini nicht abgeneigte grande Dame verspricht dem Jungen, daß es dieses Mädchen sein wird, das ihm das Herz bricht. Trotzdem verliebt er sich in sie. Das macht ihn ein schreckliches Erlebnis aus seiner Kindheit vergessen: Beim Zeichnen in einer verlassenen bucht wurde er einst von einem finsteren Sträfling (Robert De Niro) zur Fluchthilfe gezwungen. Estella macht sich nach der Highschool auf in die besten Internate der Welt, während Finn bei seinem Ziehvater zurückbleibt. Doch plötzlich erhält der begabte Maler die finanzielle Zuwendung eines anonymen Kunstmäzens, der ihm eine Ausstellung in New York ermöglicht. Und als Finn gerade vor dem Durchbruch steht, taucht auch seine Jugendflamme wieder auf. Seine Liebe für sie entbrennt erneut, doch sie scheint noch immer nur mit dem armen Narren zu spielen und den Spruch ihrer merkwürdigen alten Tante zur Wahrheit werden zu lassen.

Aber ich wurde überrascht: Regisseur Alfonso Cuarón läßt sein sensibles Gespür für schöne Bilder und rührende Situationen in "Große Erwartungen" wirkungsvoll durchblicken. Er hat mit wunderbaren Schauspielern (klasse: Anne Bancroft!) eine Geschichte vom Irrglauben der Menschen, ihren guten und schlechten Seiten und - natürlich - der Liebe kreiert. Die Musikauswahl ist zwar manchmal etwas verwirrend, aber dennoch hörbar. Mit Pulp, Buddah Heads, Grateful Dead und Tori Amos ist ja prinzipiell klarzukommen. Und noch schöner wäre es auch gewesen, hätte man anstatt Gwyneth Paltrow eine Schauspielerin für den Part der bezaubernden Estella gewählt, die etwas mehr Ausstrahlung als ein Model aus der Fa-Werbung besitzt. Mit diesem Manko kann man leben, wenn man die Augen leicht zukneift und sich an ihrer statt z.B. Michelle Pfeiffer oder gar Uma Thurman vorstellt...

(sm)

Zuletzt rezensierte Filme: Gangs of New York - 8 Mile - Ghostship - Der Schatzplanet - The Tuxedo – Gefahr im Anzug

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