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Liebe das Leben

 
Reichtum, Ruhm und Schönheit? Das alles ist für die Weltenbummlerin Isa (Elodie Bouchez) und die Fabrikarbeiterin Marie (Natacha Régnier) so weit weg wie der Mars. Das macht aber nichts, denn sie sind auch schon mit weniger zufrieden: Ein warmes Plätzchen, ein wenig Spaß und genug zu Essen. In Lille finden sich die beiden jungen Frauen und freunden sich an. Die pessimistische Marie läßt sich von der naiv-heiteren Art Isas mitreißen, sieht in ihr die langgesuchte Freundin. Gemeinsam umgarnen die beiden die Türsteher eines Clubs, laufen ausgelassen durch Einkaufszentren und lieben das Leben. Bis der arrogante Clubbesitzer Chriss (Grégoire Colin) Marie in seinen Bann zieht. Während sie nämlich glaubt, in ihm den Märchenprinzen gefunden zu haben, sieht er in ihr lediglich eine amüsante Abwechslung zu seinen sonstigen Bettwärmerinnen aus der örtlichen Oberschicht. Die Frustration darüber läßt nicht lange auf sich warten, was Auswirkungen auf die Freundschaft mit Isa zeitigt. Die sieht sich Maries Obsession bezüglich Chriss nicht mehr gewachsen und beschließt weiterzuziehen. Einen endgültigen Schlußstrich unter ihre Beziehung setzt nach einer feigen Abfuhr von Chriss jedoch Marie.

Für seinen ersten abendfüllenden Film wählte Regisseur Erick Zonca eine ganz normale Geschichte aus. Besonders viel passiert nicht im Leben der beiden einfachen jungen Frauen. Dementsprechend schnörkellos und ohne großen Aufwand fällt seine Verfilmung aus: Er konzentrierte sich ganz auf den Inhalt, womit er den Hauptdarstellerinnen Elodie Bouchez und Natacha Régnier viel Raum für Emotionen und Tiefe ließ. Die dadurch gewonnene Klarheit der Charaktere vermittelt eine Intimität, die den Zuschauer hautnah an den deren Gefühlen teilhaben läßt, und es entsteht sogar beinahe der Eindruck, ihnen wie durch ein Schlüsselloch bei ihren täglichen Stimmungshöhen und -tiefen zuzusehen. Auf diese Weise werden die kleinen Ereignisse im Leben der Protagonistinnen zu sehenswerten atmosphärischen Filmmomenten, was erneut beweist, daß im französischen Film auch den geringen Dingen immer noch eine ergreifende Dramatik abgewonnen und sensibel umsetzt wird.

(sm)

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