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Ihre Majestät Mrs. Brown

 
Großbritannien 1864: Das gesamte Königreich trauert um den jüngst verstorbenen König Albert. Allen voran Königin Victoria (Dame Judi Dench), die den Tod ihres Gatten einfach nicht verwinden kann. Die einsame Witwe trägt über Jahre hinweg nur noch schwarze Roben, ordnet ähnliche Kleidungsvorschriften für den ganzen Hofstaat an und zieht sich auf das Windsor Castle zurück. In dieser bedrückenden Atmosphäre entwickelt Ihre Majestät eine echte Depression, die auch ihren Privatsekretät Sir Henry Ponsonby (Geoffrey Palmer) nachdenklich stimmt. Zumal Victoria sich nur noch zur Erledigung der dringendsten Regierungsgeschäfte hinreißen läßt. Kein Wunder, daß die Parlamentarier laut nach der Abschaffung der Monarchie rufen. Um das zu verhindern, läßt Ponsonby den schottischen Diener John Brown (Billy Connolly) nach Windsor rufen, der die Königin aufmuntern soll. Doch während Brown in der Gunst seiner Königin steigt, macht er sich unter den Damen und Herren bei Hofe durch seine vorlaute und wenig vornehme Art viele Feinde. Sogar mit Prinz Albert (David Westhead) verscherzt es sich der ehemalige Jagdaufseher gründlich. Als sich auch noch die Presse über die unstandesgemäße Freundschaft amüsiert, muß John seine Sachen packen und Windsor verlassen. Damit steht die Zukunft der Monarchie ein weiteres Mal auf dem Prüfstand, denn Königin Victoria verfällt in ihre frühere Lethargie. Daran kann nur Mr. Brown etwas ändern - wenn er denn will...

Es ist keine übliche Liebesgeschichte mit gutaussehenden jungen Protagonisten in den Hauptrollen, peppiger Musik und offensichtlichem Ausgang. Cineastisch hat diese wunderschöne Romanze mehr zu bieten: Sie überzeugt durch ihre Derbheit, die Einbeziehung der historischen Situation und die anschaulich entwickelte Beziehung zwischen Königin und ihrem Diener. Nicht umsonst wurde Dame Judi Dench für ihre Darstellung der Königin Victoria für einen Oscar nominiert. Auch Billy Connolly als gebürtiger Schotte weiß, wie er seine Rolle zu spielen hat. Unterstützt wird ihrer beider Leistung durch die simpel gehaltene Ausstattung, die dem Film Authentizität verleiht. Wenn da die launische Königin in schweren Gewändern durch ihre einfachen, aber geschmackvollen Gemächer schreitet, entsteht der Eindruck, der Szene durch ein Schlüsselloch beizuwohnen. Und das ist in diesem Fall nicht nur etwas für Voyeure sondern auch für Liebhaber der schönen Kunst auf der Kinoleinwand.

(sm)

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