Filmkritik Zur Startseite

Die Newton Boys

 
Texas 1919: Nach drei Jahren wegen einer Bagatelle hinter Gittern möchte Willis Newton (Mathew McConaughey) kein armseliger Cowboy mehr sein. Mit ersten Gehversuchen in Sachen Banküberfall sammelt er Erfahrungen in der Stadt, will aber endlich an das große Geld gelangen. Mit der Hilfe des Nitro-Glycerin Experten Brentwood (Dwight Yoakam), seiner Brüder Jess (Ethan Hawke), Joe (Skeet Ulrich) und Dock (Vincent D'Onofrio) erreicht der gerissene Planer sein Ziel: Die Newton-Boys rauben innerhalb kurzer Zeit alle großen Banken des mittleren Westens aus und schwimmen hernach in den Dollars. Ein schlechtes Gewissen plagt die Bande nicht, denn getötet wird niemand, und der mühsam von den Farmern erarbeitete Safeinhalt wird von den großen Versicherungen ersetzt. Gerade die jedoch haben etwas gegen die beinahe-Robin Hoods und lassen sie steckbrieflich suchen. Berauscht vom bisherigen Erfolg und in Unkenntnis der laufenden Ermittlungen begeht Chefdenker Willis einen Fehler: Die Habgier befiehlt ihm einen spontanen Überfall auf die Bank von Toronto, die gesicherter ist, als es zunächst den Anschein hat.

Die Newton Boys erbeuteten nach Aussagen ihres Anführers Willis zum Ausklang des Wilden Westens" mehr Geld als Jesse James, Butch Sundance, Bonnie & Clyde und die Dalton Brüder zusammen." In einer fast zweistündigen Homage an Amerikas wohl unbekannteste Banditen-Truppe schildert Jungregisseur Richard Linklater ("Suburbia") den Aufstieg und Fall der Bankräuber. Viel Wert legte er dabei auf die Ausstattung, die bis ins Detail genau dem Beginn des Jahrhunderts nachempfunden wurde, und Authentizität durch einen Farbfiltertrick: Die Aufnahmen wirken zugunsten einer angenehmen Kino-Atmosphäre vergilbt wie ein alter Steckbrief. Sein gekonnt aufgebautes Erzählkino verrät einen ironischen Blickwinkel, zeigt Country-Barde Dwight Yoakam als trockenen Explosiv-Experten Brentwood und bringt auch mit Mathew McConaughey, Ethan Hawk und Skeet Ulrich eine ebenso vorzeigbare wie fähige Darstellerriege auf die Leinwand, der der Spaß beim Dreh in jeder Einstellung anzumerken ist. Außerdem lohnt es sich, dem Abspann Aufmerksamkeit zu schenken, denn hier verkünden die nicht auf den Mund gefallenen Newton-Originale Willis und Joe in Talkshow-Ausschnitten ihre Version vom ganz normalen Leben als Bankräuber.

(sm)

Zuletzt rezensierte Filme: Gangs of New York - 8 Mile - Ghostship - Der Schatzplanet - The Tuxedo – Gefahr im Anzug

[ Übersicht Filmkritiken ]