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Saving Private Ryan - Der Soldat James Ryan

 
Eins vorweg: Dies ist meine erste Filmrezension. Ansonsten befasse ich mich ausschließlich mit Musik. Trotzdem hier mein erster Versuch einer Filmkritik.

Die Storyline dieses 168-minütigen Films dürfte mittlerweile den meisten bekannt sein: Captain Miller (Tom Hanks, bekannt durch Filme wie "Philadelphia", "Forrest Gump", "Apollo 13") erhält vom Chief of Staff der US Army den Auftrag, James Ryan (Matt Damon, bekannt durch "Good Will Hunting" (Drehbuch/Hauptrolle)) in der Normandie ausfindig zu machen und den jungen Soldaten unversehrt nach Hause zu bringen. Denn dort wartet seine Mutter auf ihn. Sie hatte Tage zuvor die schreckliche Nachricht erhalten, daß Ryans drei Brüder innerhalb einer Woche im Kampf ihr Leben verloren hatten (zwei in der Normandie, einer in Neu Guinea). Miller ist von diesem Selbstmordkommando wenig begeistert, sammelt dennoch die loyalsten und besten Soldaten seiner durch die Landung in Omaha Beach (6. Juni 1944) stark dezimierten Kompanie um sich und macht sich auf die Suche. Begleitet wird er dabei u.a. von Sergeant Horvath (Tom Sizemore, "Heat" und "Natural Born Killers").

Dieses Unternehmen ist - das kann sich ein jeder ausmalen - ein Trip durch die Hölle, in den der Zuschauer eindrucksvoll eingebunden wird. Das besorgen die hautnahen und authentischen Kameraeinstellungen, die schonungslose Bilder zu Tage fördern. Derart grausam kann sich kein Mensch den Krieg ausmalen, außer er war selbst dabei. Selten habe ich brutalere, realistischere und schockierendere Szenen auf der Leinwand gesehen. Selten wurde dem Zuschauer der Krieg derart unerbittlich vor Augen geführt und ins Gedächtnis eingebrannt. Ich denke hier an die Szene im Landungsboot und die Zweikampfszene mit dem Messer gegen Ende des Films. Es klingt abgegriffen und lächerlich, doch beim Zuschauen hat man ein ums andere Mal das Gefühl, wirklich Teil der Szenerie zu werden oder gar zu sein. Steven Spielberg inszenierte eine wahrhaft mitreißende "D Day"-Aufbereitung, die schockierend und fesselnd (im Sinne von lähmend) zugleich ist. Schon wenige Sekunden nach Beginn zuckt der Zuschauer im Sessel zusammen, schüttelt den Kopf, hält sich fassungslos die Hände an den Kopf und kann sie nicht fassen, die Sinnlosigkeit des Krieges, diesen Wahnsinn, der Millionen Menschen in den Tod getrieben hat. Da werden (vor laufender Kamera) innerhalb von Sekunden ganze Kompanien ausgerottet. Erschreckend dabei der Gedanke, daß es in Wirklichkeit wahrscheinlich um Längen brutaler zuging. Jeder Horrorstreifen oder Psychothriller ist im Vergleich zu dem hier Dargebotenen leichte Kost und gleicht einem Kindermärchen. "Saving Private Ryan" wird so schnell keiner der Zuschauer vergessen können - dessen bin ich mir sicher.

Der Film wirft einige Fragen zum Thema Krieg und der Moral auf. Diese Fragen zu beantworten ist beim besten Willen kein leichtes Unterfangen. Eins jedenfalls ist klar, "Saving Private Ryan" ist kein Film für schwache Gemüter, denn er erfordert viel Kraft und Zeit (vor allem in der Nachbereitungsphase). Steven Spielberg hat auf keinen Fall einen "rührenden Schocker" gedreht, der aufgrund der zeitweise irrsinnigen und ausweglosen Situationen ein ums andere Mal auf die Tränendrüse drückt, nein, das hat er nicht getan und auch nicht nötig. Der Krieg mit all seinen Erscheinungsbildern bietet den bedrückenden Hintergrund. Spielberg versuchte lediglich, das Schicksal einiger Männer im Krieg aufzuzeigen, deren unpersönliches Holzkreuz nun auf einem dieser riesigen Grabfelder steht. Die Betroffenheit beim Zuschauer wird durch die Tatsache hervorgerufen, daß dies so oder so ähnlich vielleicht wirklich irgendwo auf dieser Welt einmal passiert ist. Den Rest besorgt die Vergangenheit und die Gewißheit, daß Unzählige ihr Leben lassen mußten und viele Menschen meiner Generation nie ihre Großväter zu Gesicht bekamen - so wie ich.

Einzig und allein die amerikanische Flagge am Ende des Films war unnötig. Es ging schließlich nicht um Patriotismus, sondern um Menschlichkeit und ums Überleben (um jeden Preis).

(kfb)

Regie: Steven Spielberg
Darsteller: Tom Hanks, Tom Sizemore, Matt Damon, Edward Burns
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