Wir lernen Computer

mit Dieter Paul Rudolph

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Lektion 31: Pro und Contra Empfängnisverhütung

Seit der liebe Gott seine Mail an Maria schickte, wissen wir zweierlei: Erstens sind Mails keine Engel, und zweitens ist das Thema der unbefleckten Empfängnis rein kommunikationstechnisch nur noch theoretisch von Bedeutung. Lassen wir hingegen heutzutage unseren Outlookexpress durch die Leitungen dampfen, müssen wir immer damit rechnen, einen unerwünschten Balg in unsere digitale Wiege gelegt zu bekommen.

Mails, die wir nicht mögen, kommen zumeist unter dem Deckmäntelchen der Tierliebe zu uns. Man offeriert uns Viren und Würmer, beides sehr genügsame Haustiere, auf dass sie sich bei uns einnisten. Nun komme ich aus einer armen Familie, die SO arm war, dass wir uns nicht mal einen Hund oder einen Alligator bezwecks fürsorglichen Knuddelns leisten konnten. Stattdessen hielten wir uns ein ganz putziges Pockenvirenpärchen namens Cäsar und Cleopatra, dem wir Kinder fleißig bei der Vermehrung zusahen. Solange jedenfalls, bis unsere Eltern es für nicht angebracht hielten, wenn sich ihr Nachwuchs an tierischem Geschlechtsverkehr ergötzte.

Aber was waren diese harmlosen und für die Zukunft durchaus lehrreichen Vergnügungen gegen das Ungemach, das heute von digitalen Viren und Würmern ausgeht?! Das Thema der gefährlichen Post und ihrer Verhütung ist indes keines, welches im Gefolge des PC-Siegeszuges entstanden ist. Schon das Mittelalter kannte die sogenannte „Schneckenpost“. Hierbei handelte es sich um zumeist „per Nachnahme mit Rückschein“ an unbotmäßige Burgbesitzer verschickte Briefe, auf denen groß zu lesen stand: „Achtung! Brief enthält Sch....“. Die meisten Adressaten hielten dies für die Ankündigung eines flachbepreßten Kothaufens, verschickt vom „Kommando Roter Ritter“, einem Vorläufer unserer heutigen so beliebten terroristischen Vereinigungen. Andere wiederum deuteten den Vermerk als sachten Hinweis darauf, daß die Post eben wie ein Schnecke zu kriechen beliebte und lachten über diesen gelungenen Scherz. In Wirklichkeit jedoch enthielten die Briefe eine kleine, dafür aber hoch giftige Schlange, die den Burgherren biß und dadurch so manch schönen Erbfolgekrieg auslöste.

Doch zurück in die Neuzeit. Wann immer wir eine Mail mit dem Text „Vorsicht! Virus!“ erhalten, sollten wir vorsichtig sein, da die Mail offensichtlich einen Virus mit sich führt, den Sie beim Postempfang, wie wir in der IT-Branche sagen, „entpackt“. Sogenannte „Virenschutzprogramme“ sind sinnlos. Sie tun das, was ihr Name schon sagt: Sie schützen die Viren, und das wollen wir ja vermeiden.

Hilfreicher, wenngleich keine Ideallösung, ist das prompte Löschen der Mail, das heißt: das Verschieben in den Papierkorb. Ich kenne keinen realexistierenden Papierkorb, der jemals durch die Heimsuchung von Viren gesundheitlich geschädigt worden wäre. Ich kenne sehr wohl einige Rechner, die wegen schwerer Vervirung mehrere Wochen stationär behandelt werden mußten.

Eine recht unmoralische Lösung besteht darin, alle ankommenden Viren und Würmer an eine xbeliebige fremde Mailadresse (z.B. die des Inhabers der sehr wurmstichigen Seite Hinternetcafe.de ) weiterzuleiten. So etwas tut man einfach nicht, obwohl – ich gestehe – es einen Heidenspaß bereitet, sich das Gesicht des Administrators jener Seite vorzustellen, welches auch schon virenfrei zu den verbotenen Anblicken der Menschheit gehört.

Die optimale Empfängnisverhütung für Viren und Würmer ist jedoch eine andere. Seit die Bundesregierung die Arbeitslosigkeit einfach dadurch beseitigt hat, dass sie verboten wurde (die Arbeitslosigkeit, nicht die Bundesregierung), ist ein schlichtes „Für Viren verboten!“-Schild ein sicheres Mittel, sich vor lästigen Eindringlingen zu schützen. Der Grund: Viren- und Würmerprogrammierer sind stockkonservativ, autoritätsgläubig, schwanzgesteuert, analfixiert und hirnverpisst. Sie halten sich stets an alle Regeln und Verordnungen, so sie nur in einer klaren Anweisung ausgesprochen werden.

Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel: Anarchische, hochintelligente, oralfixierte und hirnreine Charaktere kümmern sich einen Dreck um Verbotsschilder. Aber solche Koryphäen verschicken ihre unseligen Produkte auch selten als Email-Attachments. Sie bevorzugen, zum Beispiel, harmlose Kolumnen, aus denen, kaum dass sie gelesen sind, manch süßes Getier in den Rechner kriecht und alle Dieter-Bohlen-Erwähnungen löscht. Spätestens an diesem Punkt wünschen wir uns, die Welt wimmelte von Viren und Würmern.

 

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