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Von Bayern nach Brasilien

Unterbiberger Hofmusik

Liederbühne Robinson, Runding-Vierau, 27.02.1998

Der Nabel der Welt liegt in Unterbiberg bei München. Zumindest was die Volksmusik anbelangt. Von der Richtigkeit dieser gewagten These konnten sich etwa 100 Zuhörer beim Konzert der Unterbiberger Hofmusik auf der Liederbühne Robinson in Rundig- Vierau überzeugen.

Auf der Bühne sitzen vier Musiker, die mit Trompete, Akkordeon, Tuba und Harfe aufspielen - aber wie! Der Clou der Musik der Unterbiberger Hofmusik ist nämlich die Idee, bayerische Weisen zu verjazzen und sie mit brasilianischen Einflüssen zu vermengen. Für das südamerikanische Temperament ist normalerweise der Trompeter Claudio Roditi aus Rio de Janeiro zuständig, den mit den Unterbibergern eine lange musikalische Partnerschaft verbindet.

Aber auch ohne den gefragten und vielbeschäftigten Trompeter spielten Franz Himpsl (Trompete), Irene Himpsl (Akkordeon), Martina Holler (Harfe) und Hubert Hohmann (Tuba) zusammen mit dem Stuttgarter Posaunisten Eberhard Budziat als Gastmusiker hervorragend auf. Was die fünf im Laufe des Abends spielten, hörte sich so frisch und lebendig an, daß ein Vergleich mit der hinlänglich bekannten volkstümlichen Musik einer Beleidigung nahekommt. Egal, ob Zwiefache, Landler oder zigeunerisch- temperamentvolle Stücke wie die "Maxglaner Polka" - die Unterbiberger beherrschen nicht nur ihre Instrumente hervorragend, sondern füllen die traditionelle Volksmusik mit Leben, legen einfühlsam dar, wieviel Kraft und Schönheit in ihnen steckt.

Die Hofmusik verbindet mit ihren Liedern mit Vorliebe bayerisches Liedgut mit amerikanisch-brasilianischem Jazz. Auf den Landler folgt der fröhliche Carnevalssong, aber auch schwedische Weisen oder ein argentinischer Tango waren zu hören. Ein wunderbares Konzert einer Gruppe, die mit ihrem ebenso intelligenten wie eleganten Repertoire zur Zeit noch ein Geheimtip ist. Aber sicher nicht mehr lange...

(ms)

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