| Buchkritik | ![]() |
Nelson GeorgeR&B - Die Geschichte der schwarzen Musik(Orange Press) |
||
|
Autor Nelson George ist ein US-amerikanischer Autor, Journalist und Filmemacher. Sein Buch "The Death of Rhythm & Blues" erschien bereits 1988, 1990 erschien eine deutsche Ausgabe bei Hannibal unter dem gleichen Titel. Mit "R&B" legt der junge Freiburger Verlag Orange Press das Buch in einer Neuübersetzung vor. Genaugenommen ist der Untertitel "Die Geschichte der schwarzen Musik" irreführend. Denn ich habe zwar viel über R&B/Soul/schwarze Musik erfahren, aber das wenigeste davon war musikalischer Natur. Wer sich umfassend über Stile und Interpreten der schwarzen Musik informieren will, der muss wohl zu einem anderen Buch greifen. Dafür lernt man bei Nelson George viel über die ökonomischen und politischen Bedingungen unter denen die schwarze Musik entstand und irgendwann auch den Weg in die Charts fand. "...mit der 'Rhythm and Blues-Welt' ist auch etwas Außermusikalisches gemeint. R'n'B - und Musik im Allgemeinen - war schon immer integraler Bestandteil der schwarzen Gemeinschaft, die politische, ökonomische und geografische Begleitumstände zusammenschweißte" Das Buch beginnt anfangs des 20.Jahrhunderts mit den Schwarzenführern Booker T. Washington und W.E.B. DuBois und deren Philosophien von Eingliederung bzw. Eigenständigkeit. Und genau dieses Spannungsfeld zieht sich als roter Faden durch das Buch. Da den Schwarzen die meisten Wege verbaut waren entstand so etwas wie eine Parallelwelt zu der der Weißen mit schwarzen Labels, schwarzen Vertriebsformen, schwarzen Radios bis hin zu einer schwarzen Baseballliga. "Assimilation oder Eigenständigkeit? Will man in den Realitäten des amerikanischen Systems vorankommen, ist beides notwendig. Aber nur die Assimilation, die Strategie, die den rassischen Machtblock verwässert zugunsten einer zweifelhaften amerikanischen Identität, hat das Denken der meisten schwarzen Amerikaner bestimmt." George beklagt diese Tendenz zur Assimilation, die Mitte der 70er Jahre den R&B zu einer "farbenblinden" Crossover-Musik verwässerte, der die schwarze kulturelle Identität immer mehr verloren ging und die für ihn letztlich zum "Tod des Rhythm & Blues" führte. Georges Stil liesse sich am ehesten als pointillistisch bezeichnen: angerissene Personenbeschreibungen, kurze Anekdoten, die für sich genommen gar nicht viel herzumachen scheinen, ergänzen sich nach und nach zu einem Gesamtbild. Ein facettenreiches noch dazu, denn George gelingt es nebenbei noch Einblicke in die Emanzipationsbemühungen der Schwarzen zu geben (die eben nicht erst mit Rosa Parks begannen, die sich nicht auf den vorgeschriebenen Platz im Bus setzen wollte) genauso wie einen Überblick über die Entwicklung des US-Radios (inkl. Payola. Wo bleibt eigentlich die Skandalgeschichte des deutschen Rundfunks?). Das für ein Musikbuch recht gesetzte Alter von 15 Jahren mag ein Nachteil sein, der aber nicht gravierend ins Gewicht fällt. Das Buch endet mit den Aufkommen des Hip Hop. Dessen Geschichte hat George danach in seinem Buch "XXX - Drei Jahrzehnte Hip Hop" (ebenfalls orange press) fortgeschrieben. Mir hat "R&B" eine Reihe neuer Einsichten beschert. Viel mehr kann man von einer Lektüre wohl kaum erwarten. (rori) Links: P.S.: P.P.S.: 4. Mai Freiburg, Jazzhaus (mit DJ Uh-Young Kim)
|
|