CD-Kritik Zur Startseite

Aavikko

Multi Muysic

(Hawaii Sounds/Indigo CD 98482)

Wäre James Bond ein Toon gewesen, er hätte seine Feinde zur Musik von Aavikko zur Strecke gebracht. Die Agentenfilme hinterlassen eine weitere Spur in der Popgeschichte, und zwar eine ziemlich skurrile. Das Genre der drei Finnen nennt sich Casio-Core, und damit ist fast schon alles gesagt.

Wilde Elektronik-Orgien im Retro-Sound, eingängige Melodien und nervöse Beats (Rhythmusmaschinen plus menschlicher Drummer!). "Multi Muysic" ist ein (fast) reines Instrumental-Album, und wegen der prägnanten Melodik ist es eigentlich ein Soundtrack ohne Film. Das Trio plündert dabei alles, was auch nur ansatzweise nach Trash riecht: Surf, Easy Listening, Psychedelic und Polka.

Doch hinter der Plastik-Fassade verbirgt sich echte Virtuosität, so stilsicher wandeln Aavikko zwischen den Stilrichtungen und streifen dabei unter anderem auch mal den Jazz. Zwischen wildgewordenen Flippermaschinen, rasanten Ritten, Begleitklängen archaischer Computerspiele, B-Movie-Grusel-Atmo, swingenden Lounge-Schwoofern und minimal-poppiger Folklore ist alles drin.

Nicht, dass uns die Finnen noch überraschen könnten. Aber mit sowas war nun wirklich nicht zu rechnen!

(Katja Preissner)

 

Aavikko

Oriental Baby

(Humppa Records/Indigo)

Vielleicht kennt ja schon einer von euch ihr Debüt "Derek", das vor etwa zwei Jahren in Deutschland auf den Markt kam. Ich war seinerzeit mit Steakknife auf Ochsentour, und ich kann nur eins sagen: Es gibt nichts Witzigeres als mit sieben Narren über die Autobahn zu jagen und drei jungen Narren aus Finnland beim Musizieren zuzuhören. Das ist der Brüller. Kosonen, Staufenbiel und Leppänen heißen die Drei und haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Welt mit verrückten Klängen aus der Orgel zu betören. Das erinnert mehr an Kirmes- und Jahrmarktsmusik, denn an seriöse Arbeit, verfehlt seine Wirkung dennoch nicht. Was wäre die Welt ohne das Casio-Keyboard? Surf-Sounds meets cheesy Soundtracks meets Atari-Videospiele-Untermalung meets Hochzeitsalleinunterhalter-Mucke meets Leierkastenmann-Gedudel meets Wahnsinn-hoch-zehn in Musik gewandelt. Besorgt euch diese 6-Track-EP so schnell es geht. Sie lechzt danach, gehört zu werden.

(kfb)


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