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Anywhen

The Opiates

(Clearspot/EFA)

Von einer Platte zu sagen, sie eigne sich hervorragend zum Mittagsschlaf, klingt, zugegebenermaßen, nicht nach einem Kompliment. Ist aber eins - meine letzte große Mittagsschlaf-Platte war "A Deeper Kind Of Slumber" von Tiamat. Wer da nicht bis zum Intro des vierten Songs eingedöst ist, war auch nicht wirklich müde. In wachem Zustand freue ich mich an den großartigen Songs und der genialen Umsetzung.

"The Opiates" ist ähnlich; lässt man das Album vorbeirauschen, hat es eine sehr beruhigende Wirkung. Mit gespitzten Ohren gehört, verwöhnt es mit wunderbaren Streichern, großen Bildern und einem tieftraurigen, sehnsüchtigen Unterton. Wer auf manisch-depressive Klänge von z.B. 16 Horsepower oder Phil Shöenfeldt steht, wird mit Anywhen viel Freude haben (Anachronismus-Alarm). Der Opener "The Siren Songs" ist von verzweifelter Schönheit und bewirkt die totale Aufgabe jeglicher Hoffnung. Aber auch Schmerz kann schön sein. Eine Beerdigung ist ein fröhliches Happening im Vergleich zu "Toy", dem wohl traurigsten Song des Albums. Abgerundet wird "The Opiates" von der genialen Schlussnummer "All That Numbs You"; mit "The Siren Songs" sicherlich die beiden Highlights.

Leider können die verbleibenden sieben Songs das hohe Level nicht immer halten. "Postcard" z.B. ist so karg, dass jegliche Atmosphäre verlorengeht. Trotzdem ist "The Opiates" ein sehr homogenes, poetisches Werk mit großen Songs. Aber Vorsicht, sollte ganz Europa dieses Album hören, wird es nie mehr Frühling werden.

(dmm)

 


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