CD-Kritik Zur Startseite

Kristofer Åström & Hidden Truck

Leaving Songs

(V 2/Zomba)

Kristofer Åström ist einer, der mit wechselndem Lebensmut aus seinem poetischem Chaos hinter der Gitarre hervorgrinst. Zumindest vermitteln die Soloalben des Fireside Sängers dieses Gefühl. Ungeachtet der Tatsache, dass im Frühjahr dieses Jahres "Northern Blues" erschienen ist, liegen jetzt die "Leaving Songs" vor, die deutlich mehr sind, als kreativer Ausschuss.

Nachdem sich die Aufnahmen zum Vorgänger über 1½ Jahre hingezogen haben, hat Kristofer Åström ein paar Tage zum Ausspannen genommen und eben mal ein neues Album eingespielt. Vier der zwölf Songs entstanden in relaxter Atmosphäre mit Jari Haapalainen und einem Kasten Bier auf einem 4-Spur-Recorder. Der Rest der Titel wurde einige Monate später mit seiner Band Hidden Truck eingespielt und kommt nahezu ohne Overdubs aus.

War "Northern Blues" komplett durchdacht und fein ausarrangiert, ist "Leaving Songs" spontan und unbelassen, aber nicht weniger charmant. Vielmehr sind hier einige Songs drauf, von denen andere Singer/Songwriter hoffen, sie auch nur ein einziges Mal in ihrem Leben zu schreiben. Das wunderbare "This Surely Ain't My Home" oder der geniale Opener "What I Came Here For" gehen tief ins Herz. "Leaving Songs" - mehr als nur eine Bierlaune.

(dmm)

Kristofer Åström & Hidden Truck

Northern Blues

(V2/Zomba)

Schonmal Pizzateig gemacht? Ist gar nicht so leicht das Ganze breit anzulegen, ohne zu dünn zu werden oder unschöne Verdickungen zu akzeptieren. Zumindest was den musikalischen Hefeboden angeht, sind die Nordlichter die eindeutig besseren Pizzabäcker. Zum zweiten Mal vor dem Holzofen steht Kristofer Åström (sonst Sänger bei Fireside), der mit seinem neuen Album "Northern Blues" den Teig in die Breite walkt. Dünn wird er dabei nicht; die Songs haben Substanz und wer "Blues" als Gemütszustand begreift und nicht als Musikrichtung, wird dieses bittersüße Album lieben.

Die alles überragende Single "All Lovers Hell" oder "A Matter Of Seconds" sind so perfekt arrangiert, dass sie jeden Herzmuskel sofort erlahmen lassen. Kristofer Åström wälzt sich in seinen Schmerzen und erinnert mehr als einmal an die großen Melancholiker wie Nick Cave oder Kurt Wagner, streut aber auch die Einflüsse der jungen Garde à la Ryan Adams ein. Dabei reicht er Hasshappen wie "How Can You Live With Yourself?" in so süßem Schmelz, dass man das Gift erst merkt, wenn es zu spät ist. Ahh, Verzweiflung kann so schön sein.....

(dmm)

 

Kristofer Aström & Hidden Truck

Go,went, gone

(House of Kicks/RTD)

Nein, er ist kein Unbekannter. Kristofer ist vielleicht dem Leser als Sänger der schwedischen Band Fireside ein Begriff. Im Gegensatz zum Sound von Fireside, übt sich Aström im klassischen Songwriting mit Akkustik-Gitarre. Wie so viele seiner Musikerkollegen, muß man eigentlich sagen. Denn der Akkustik-Klampfen-Output ist seit dem großen Erfolg des Unplugged-Konzerts von Nirvana seinerzeit unvermindert hoch. Kaum ein Sänger der Grunge-Generation, der sich nicht dazu berufen fühlt sein "persönliches und reduziertes Album" heraus zu bringen. Die Anzahl der Veröffentlichung dieser Art ist natürlich auch proportional zur Größe des Mittelmaßes unter diesen Alben. Das, in der Tat gefällige, Name-Dropping scheut sich nicht, große Namen, wie Nick Drake, Red House Painters oder Elliott Smith ins Rennen zu schicken. Leider kommt Kristofer Aström über ein "Klingt wie ..." mit seiner Platte nicht hinaus.

In den besten Momenten klingt das, wie Will Oldham von Palace ("Hangover Dream"), nur viel oberflächlicher. In anderen Momenten, kann man sich gut vorstellen, daß sich Millionen Liebespaare einen Song des Albums als "unser Lied" aussuchen. Immer vorausgesetzt, einer der Songs würde im Soundtrack des Sequels zu Titanic eingesetzt. ( Titanic 2 - Der Todeskampf unter Wasser). Dann könnte man sich Aström, gut in einer Liga mit Celine Dion vorstellen. Wie gesagt, es ist nur eine Vision. Titanic 2 wird uns hoffentlich noch eine Weile erspart bleiben!

Was aber Aström von seinem vorgelegten Referenz-Rahmen unterscheidet ist die Oberflächlichkeit. Sei es in den Lyrics, sei es im Gesamtsound. Nie kommt er über ein gewisses Maß hinaus. Mittelmaß nämlich. Es wird immer an der Oberfläche gekratzt, ohne weiter nachzuhaken. Und so kommt er auch selbst, gegen Ende des Albums zu dem Schluß: "No surprises, no surprises." (aus "Cricket Song")

In der Kritik klingt das jetzt wesentlich härter, als sich das Album tatsächlich anhört. Man kann das schon ganz prima hören. Allerdings ist es mir auch nicht aufgefallen, daß die CD zu Ende war. Irgendwie nicht wichtig. Weder für mich, noch den Rest der Menschheit. Was jetzt nicht ausschließen soll, daß die Songs irgendwann einmal persönlich wichtig werden könnten. Sowohl für mich, als auch für den Rest der Menschheit.

(rk)


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