CD-Kritik Zur Startseite

The Auteurs

How I learned to love the Bootboys

(Virgin)

"How I learned to love the Bootboys" ist ein Album mit 12 Singles. Vielleicht nicht mit 12 Hits, aber auf jeden Fall mit 12 Singles.´ O-Ton Auteurs-Frontman Luke Haines. Der Mann hat ja so recht! Jeder Take ein kleines Pop-Meisterwerk und dabei so cool und so ironisch, dass Pulp sich daneben warm anziehen müssen. Die Auteurs klingen allerdings weniger nach Britpop als nach Glam Rock und Motown, nach New Wave, Disco und dem Rüpel-Rock von Slade. Die Songs auf ihrem vierten Album heißen etwa "The Rubettes", "1967" und "Johnny and the Hurricanes". Eingespielt wude das Ding in den legendären RAK Studios. Und dass Mickey Most (Mud, Suzi Quatro, Smokie etc.) nicht noch selbst hinter den Reglern stand, ist ein kleines Wunder. Aber - halt, nicht auf dumme Gedanken kommen: diese CD ist ein "Anti-Nolstalgie-Album" (wieder O-Ton Haines). Alles klar?

Okay, die zweite Hälfte des Albums klingt kaum noch rückwärtsgewandt, sondern ist voll auf der Höhe der Zeit und dabei besser als der Rest. Und mit heiler Welt haben es die Auteurs schonmal gar nicht, durch ihr Memory-Spiel scheinen die düsteren Dinge verdammt durch: Skinheads, Streiks, Hunger und Kurzarbeit. Oder wie es ein englischer Kritiker sagte: als das Kingdom "eine Kreuzung aus Polen und Clockwork Orange wurde".

Zurück zur Musik. "How I learned..." gibt sich also die ganze Pop-Palette, klingt unverkennbar nach der Insel, nur nicht nach den Beatles, aber sonst nach allem möglichen Trash, den die letzten 40 Jahre dort nach oben gespült haben. Und auch in den USA ("The Rubettes" klingt unverkennbar nach deren "Sugar Baby Love", schön simpel und stampfend). Außerdem gibt´s kleine musikalische Reminiszenzen an David Bowie und Johnny Rotten, aber auch Akustik-Gitarren und alle möglichen Synthie-Sperenzchen. Den bedrohlichen Unterton, der sich in jedem Stück findet, gibt´s gratis. Ansonsten ist jeder Song ein meisterlich ausgefeilter Ohrwurm, phantastisch arrangiert und eine eigene, kleine Welt. Tipp zum Reinhören: der Titelsong, ein Alarm-Heuler der Sonderklasse. Insgesamt gilt: Cooooool! Sechs von sechs Sternen!

(Katja Preissner)

 


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