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The BellRays

Meet the BellRays

(Poptones/Zomba)

Man stelle sich vor, eine Garagerock-Band wie die Stooges rockt und scheppert so richtig los, als plötzlich Aretha Franklin zu Besuch kommt, Iggy Pop mit einem "Fuck you!" das Mikro abnimmt und alle an die Wand singt. Oder: Dead Moon schrammeln gerade ihre Punkrock-Songs mit Janis Joplin als neuer Frontfrau. BellRays-Sängerin Lisa Kekaula ist berechtigterweise genervt von solchen Vergleichen, denn die Band aus Los Angeles braucht sich mit ihrem (in eigenen Worten) "Maximum Rock & Soul"-Sound nicht hinter großen Namen zu verstecken.

Lisa, ursprünglich Jazz-Sängerin, "sort of married into the band", als sie Bob Vennnum (erst Gitarre, inzwischen Bass) heiratete. Seit Anfang der 90er machen die beiden zusammen Musik, Mitte der 90er kamen Tony Fate an der Gitarre und wechselnde Drummer dazu: The BellRays waren geboren. Ihren Motown-Punk veröffentlichen sie seitdem auf dem hauseigenen "Vital Gestures"-Label. Lange Zeit waren sie ein Insidertipp der Clubszene in L.A., inzwischen waren sie erfolgreich als Einheizer für "Rocket from the Crypt" und "Nashville Pussy" in den USA unterwegs.

Ihre ersten beiden regulären Alben "Let it blast" (1999) und "Grand fury" (2001) sind jetzt als Remastered-Best-of-Compilation auch in Europa erhältlich: "Meet the BellRays" ist die erste Veröffentlichung des englischen (bereits totgesagten) Geheimtipp-Labels Poptones, seit es sich zu Beginn der 60er-Retro-Welle mit einem "Hives"-Sampler rettete. Die Songs sind mit Wut, Herzblut und einem antiken Sansui 6-Spur-Gerät in einem leerstehenden Kaufhaus aufgenommen und rocken richtig los. Der Soulröhrengesang und die Garagerockmusik passen so gut zusammen, dass es verwundert, dass in den letzten 30 Jahren nicht schon vielmehr Bands diesen Schlages die Bühnen gestürmt haben.

Wem das aktuelle Revival von Beat, Soul und Punkrock sowieso egal ist, den wird auch "Meet the BellRays" nicht umstimmen: Die hier vermischten altbekannten Elemente muss man schon vorher geliebt haben. Wer sich aber schon immer gewünscht hat, die frühe Tina Turner hätte mit Black Flag anstatt Ike Turner ihren Durchbruch gehabt, ist hier richtig.

(sk)



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