CD-Kritik Zur Startseite

Dan Bern & The IJBC

Fleeting Days

(Cooking Vinyl/Indigo)

Auf Dan Bern ist Verlass – in einem Affentempo haut er neue Alben raus und keiner muss Angst haben, dass sie dadurch schlechter werden. Diesmal verpackt er seinen beißenden Spott schon in dem Namen seiner Band: IJBC steht für International Jewish Banking Conspiracy. Vorurteile und starre Sichtweisen sind der Scharfzunge Bern ein Greuel. Wenn er sich ein Thema vorknöpft, kann man sicher sein, dass der Blickwinkel überraschend ist.

Musikalisch hat er den Satireteil weiter minimiert, aber ein humoristischer Restverdacht bleibt, wenn "Crow" klingt wie Huey Lewis' Debüt-Opener "Some Of My Lies Are True". Ansonsten machen Dan Bern und die jüdische Bankenverschwörung Ernst: Folk-Rock ("Baby Bye Bye"), Sixties-Geschrammel ("Jane") und die hymnische Abschlussballade "Soul". Da ist Dan Bern so spirituell wie nie und die fast gospelartige Anmutung gibt Einblicke, wie es klingt, wenn das Herz für kurze Zeit über den scharfen Verstand wacht.

(dmm)

Dan Bern

New American Language

(Cooking Vinyl/Indigo)

Hinternet-Bühne auf für einen der entdeckenswertesten Künstler. Bereits das Vorgänger-Doppelalbum "Smartie Mine" aus dem vergangenen Jahr hat mich schon komplett aus den Angeln gehoben, aber was Dan Bern mit seinem insgesamt vierten Album abliefert, ist sein bisheriges Meisterstück. Klang der Vorgänger noch nach Singer/Songwriter mit musikalischer Begleitung, glänzt "New American Language" mit echter Bandleistung.

Aufgrund seiner starken Texte konnte Dan Bern bisher jedes Lied über den Durchschnitt heben, aber jetzt zieht auch die Musik deutlich an. Es ist keine Übertreibung wenn ich sage, dass er mit seinem neuen Album mit seinen musikalischen Paten mindestens gleichauf zieht. Vergleiche mit Dylan, Neil Young, Elliott Murphy oder jedem anderen, der sich im Feld des hemdsärmeligen Roots-Rock bewegt, muss Dan Bern nicht scheuen.

Er verpackt seine bitterbösen Lyrics in rumpelnden Rock ("Sweetness"), marschiert zehn Minuten in der "Thanksgiving Day Parade" oder versüßt den Weltschmerz mit dem wunderschön traurigen "Albuquerque Lullaby". Seine Texte schlagen Haken, sind voll mit Anspielungen, und wer sich nicht auf seine kuriosen Metaphern einlässt, verpasst viel von den ernsten und wahren Aussagen, die er hinter seinen skurrilen Ideen versteckt.

Wer bei Genre-Freunden mit einem unentdeckten Hochkaräter glänzen will, sollte "New American Language" unbedingt kaufen. Jeder andere übrigens auch!

(dmm)


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