CD-Kritik Zur Startseite

Leon & Eric Bibb

A Family Affair

(Tradition & Moderne/Indigo)

Auch wenn Coverversionen von Sting's "Fields Of Gold" mehr als ausgelutscht sind - hier geht sie absolut in Ordnung. Eric Bibb und sein Vater Leon konzentrieren sich auf der gemeinsamen Platte "A Family Affair" auf Folkmusik und präsentieren überwiegend Fremdtitel. Irgendwie ist da "Fields Of Gold" dazwischengerutscht und die Beiden ziehen eine ganze Menge Emotionalität aus der Vorgabe heraus.

Was gibt es sonst noch? Ruhige, verhaltene Klänge ("Oh, Had I A Golden Thread"), Vokalakrobatik ("Look Over Yonder") und sehr viel Seele. Bei "Balm In Gilead", mit der famosen Gastvocalistin Cyndee Peters, muss man schon fast von Spiritualität sprechen, um die tiefe Hingabe zu umschreiben, mit der hier musiziert wird. Es ist eine Wohltat, dass Eric und Leon Bibb nicht die großen Könner raushängen lassen, sondern behutsam agieren und arrangieren. Das merkt man dann bei einem Titel wie "Five Hundred Miles", der wahrlich noch ausgelutschter ist als "Fields Of Gold" und trotzdem frisch klingt.

(dmm)


Eric Bibb

Painting Signs

(Ruf )

Hätte Eric Clapton öfter den Blues, Joe Cocker mehr Soul und Keb' Mo' mehr Pop, würde alles zusammen klingen wie Eric Bibb. Mit "Painting Signs" ist er diesmal noch mehr von seinem fingerpickenden Akustik-Blues abgerückt und präsentiert ein vergleichsweise poppiges Album mit starken Soul-, Gospel- und Blues-Einflüssen. So melodisch und songverliebt, dass Blues-Puristen wahrscheinlich eben diesen kriegen. Bei Eric Bibb steht das entspannte Zuhören im Vordergrund und da bieten die 13 Songs unglaublich viele Ohrenfreuden. Er ist ein filigraner Handwerker, der die Kunst beherrscht, Songs zu schreiben und sie glaubhaft vorzutragen. "Painting Signs" ist ein wunderbares Album für alle alten Säcke, die einfach nur Spaß daran haben, wenn jemand schöne Musik macht.

(dmm)

Eric Bibb

Roadworks

(Ruf Records)

Die Ähnlichkeiten zwischen Keb Mo und Eric Bibb sind frappierend: Für beide ist der Blues keine sehr traurige Angelegenheit, beide tragen gerne Hüte, beide sind gute "Thumb-Picker" und im ersten Moment kann man ihre Stimmen kaum auseinanderhalten. Warum also Eric Bibb statt dem bekannteren Pendant hören? Weil "Roadworks" unheimlich intensiv und emotional ist. Ein Teil der 14 Songs wurde live mitgeschnitten, die anderen irgendwo unterwegs in verschiedenen Studios, ein Lied sogar im Badezimmer.

Gerade die Live-Aufnahmen strotzen vor klanglicher Präsenz; hier zieht mal wieder der alte Spruch von "den Musikern, die direkt im Wohnzimmer sitzen". Auf laute Töne wird verzichtet - zwei Gitarren, manchmal ein Bass, eine Geige oder eine Mandoline - mehr brauchen die drei Musiker nicht, um eine sehr angenehme Atmosphäre zu schaffen.

Ein echtes Highlight gibt es kurz vor Schluss mit "Gratitude". Hier stimmt alles: Musik und Text greifen perfekt ineinander, der Gesang transportiert das besungene Gefühl aus Demut und Dankbarkeit und Eric Bibb umperlen bittersüße Klavier- und Akkordeonklänge. Großes Kino - "Roadworks" lohnt sich nicht nur wegen "Gratitude", wäre aber ohne dieses wunderbare Stück Musik ein klein wenig ärmer.

(dmm)

 


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