CD-Kritik Zur Startseite

Blind

Life Guard

(Day-Glo/SPV) [6-96]

Die Rezension dieser CD scheint eine besonders kniffelige Angelegenheit darzustellen, da keine(r) meiner Kolleg(Inn)en es wagen wollte nur eine Zeile zu schreiben- aus verständlichen Gründen: in einer überschaubaren Saarbrücker Musikgemeinde ist es nicht sehr verwunderlich, daß einige Hinter-Net!-Mitarbeiter über Umwege oder direkt mit Blind in Kontakt stehen, oder gar in der Band selbst mitwirken. Ersteres gilt für meinen Fall. Bevor ich jetzt anfange mich über die Saarbrücker Szene etc. auszulassen, breche ich an dieser Stelle ab und konzentriere mich auf das Wesentliche: die Musik.

"Was haben Blind und die Rollins Band gemeinsam?". Erstens spielt man in der gleichen Besetzung, zweitens sind die einzelnen Musiker in beiden Fälle Könner an ihren Instrumenten, drittens verfügen beide Bands über einen überaus charismatischen Frontmann, viertens legt man beiderseits Wert auf introspektive Texte und last but not least, beide Bands spielen eine artvervandte Form von ROCK, fernab von jedem kommerziellen Clichée.

Mit einem hohen Maß an Dynamik und Kompaktheit rockt die Band durch ihr Material, wobei die lauten Passagen martialisch, die ruhigen Stellen dadurch noch ruhiger wirken. Ich finde 'Life Guard' gar nicht sooo sperrig wie einige Schreiberlinge vor mir befunden haben. Sicher, die Rhytmusgruppe spielt nicht immer den klassischen Vier-viertel Rockrhythmus, aber erstens ist das heutzutage unhip und ehrlich gesagt mitlerweile Standard. Kurzum: Wenn´s abgeht, dann geradeaus und ohne Schnörkel.

Vom Songmaterial sind mir einige wenige Stücke etwas zu hooklos geraten (Funny, No Control), was von meiner Liebe zu griffigen Melodien herrührt. Obwohl es bestimmt nicht die Absicht von Blind sein dürfte Popmelodien in ihren Sound einfließen zu lassen, finde ich eine Art von Mitsingcharakter auch im härteren Musikbereich essentiell.

Wäre die Platte von einem Herrn Albini produziert worden, wären Blind aus Amihausen, würde man jetzt schon von einem Klassiker sprechen. Hier macht sich das alte (deutsche) Problem wieder einmal bemerkbar: sich mit den eigenen Gewächsen nicht so recht identifizieren zu können! Ich hoffe, das werden wir auch irgendwann überwunden haben. Es geht doch mittlerweile auch im Bereich des kommerziellen Hitparadenmülls - warum nicht auch wenn es um Qualität geht?

(fred)


Cover Blind

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