CD-Kritik Zur Startseite

Bowery Electric

Lushlife

(Beggars Banquet/Connected)

Ich gebe zu, dass ich Bowery Electric bis dato nicht gekannt habe (Früher bei Kranky unter Vertrag.). Ein Fehler wie mir nach Anhören von "Lushlife" erscheint. Doch wer kann schon alles mitbekommen, jeden Insidertipp verfolgen und auf Rentabilität prüfen? Ich auch nicht, macht euch nichts draus. Bowery Electric, das sind die Multiinstrumentalisten Lawrence Chandler und Martha Schwendener, deren bezaubernde Stimme Besitz von meinem Gehirn ergriffen hat. Sie singt fast nicht, sondern flüstert, ja haucht ihre Texte ins Mikrofon. Dieser Hingabe hat sie mit ihrem Partner, beide aus New York stammend, nunmehr nach Texas übergesiedelt, ein elektronisch-instrumentales Korsett verpasst, das mit nur vordergründig monoton erscheinenden Beats und ein paar sphärischen Gitarrenparts an der ein oder anderen Stelle vollends seine ganze Wirkung entfaltet. Hier und da werden gar Erinnerungen an Portishead oder Massive Attack zu Zeiten der "Protection"-Phase wach, wobei nie der Vorwurf des Plagiat gemacht werden muss/darf/sollte.

Ich kann mir gut vorstellen, dass dieses Album eine besonders gute Symbiose mit Nacht, im Bett liegen und Kopfhörer aufhaben eingeht. Vielleicht auch wenn man nicht gerade der besten Stimmung ist und einfach abschalten und alles vergessen möchte. Herausragend ist die Singleauskopplung "Freedom Fighter", die ein Sample des Nick Drake-Songs "Introduction" enthält. Wobei dies den restlichen Stücken nicht gerecht wird, da Ausfälle keine auszumachen sind. Ergo: Steige ein ins "Lushlife" und lass dich von seiner Lässigkeit und seinem unwiderstehlichen Fluss treiben. Ich kann nur noch deutlicher werden: Massive Attack und Portishead sollten sich in Acht nehmen. Hier hat jemand die Blaupause verstanden und für sich umarrangiert. Dass nur zwei Musiker an diesem meisterlichen Streich beteiligt sind, ist hochachtungsvoll zu Kenntnis genommen worden.

(kfb )

 

Bowery Electric

Beat

(Kranky/Beggars Banquet/RTD) [6-97]

Einst bei My Bloody Valentine kamen die Leute und wollten diese Platte umtauschen, weil die CD leiern würde (den Kassenzettel hatten sie natürlich dabei). Erst nach stundenlangen technischen Ausführungen konnten die Timingschwankungen als Stilmittel entlarft werden. Desweiteren gingen die Käufer mit der melancholisch anmutenden Erkenntnis nach Hause, daß es im CD Zeitalter ein Leiern nicht mehr geben kann.

Ähnliche Sounds erzeugt das New Yorker Duo Bowery Electric auf seinem Album "Beat", das auf dem Chicagoer Kranky-Label erscheint. Bis zur unendlichen Langsamkeit werden die Beats heruntergepitcht und mit einem flächigen Summen eines Bienenschwarms hinterlegt. Dazu etwas psychedelisches Glockengeläut und ab und an Frauengesang. Ambient nennt man das wohl. Natürlich passiert auf der Platte nicht viel, häufig wird der schwere elektronische Ton nur gehalten und nur an den Rändern der Frequenz variiert, die Repeat Taste bleibt gedrückt. Eine Platte ohne Anfang und Ende.

(fw)

Cover Bowery Electric


Datenschutz
Zum Hinternet-Weblog Zum Kalender Galerie zum Archiv Impressum