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Billy Bragg & Wilco

Mermaid Avenue Volume 2

(Elektra)

Nachdem der geneigte Hörer 1998 mit Billy Bragg und Wilco schon ein Stück auf der "Mermaid Avenue" gegangen ist, geht man jetzt einfach weiter. Die 15 Songs stammen zum Großteil aus der selben Session wie die des ersten Teils, sind aber noch einen Hauch runder geworden.

Das Zusammenspiel von Woody Guthries Texten und den britischen, bzw. amerikanischen Einflüssen von Billy Bragg und Wilco ist schlichtweg brillant. Das Songwriting ist behutsam und lässt den Zuhörer staunen, mit welcher Stilsicherheit Guthries Texte musikalisch umgesetzt werden: Beatles-Anleihen (Secrets Of The Sea), Rock´n´Roll (All Your Fascists), britischer Protest-Folk (Hot Rod Hotel) oder das geniale "Against The Law" mit Corey Harris (Gesang und Gitarre). Nie wirklich modern, immer leicht verschroben und mit einem starken Country-Einschlag - hier ein Banjo, da eine Resonator-Gitarre - sind die Lieder der wunderbare Beweis, dass die Kombination der drei Einflüsse "Mermaid Avenue" so besonders macht.

Laut Booklet warten noch mehr als 2000 Texte von Woody Guthrie auf ihre Vertonung. Dann mal los, Jungs, ich freu´ mich schon auf "Mermaid Avenue Volume 133". Aber bitte nicht nur alle zwei Jahre eine CD veröffentlichen, das könnte sonst eng werden.

(dmm)

 

 

Billy Bragg & Wilco

Mermaid Avenue

(Elektra)

Woody Guthrie ist der Übervater der amerikansichen Folkszene. Bob Dylan eiferte ihm in jungen Jahren nach, Bruce Springsteen covert gerne Songs von ihm. Mit Hilfe des Engländers Billy Bragg und der amerikansichen Band Wilco feiert der 1967 gestorbene Singer/Songwriter jetzt eine besondere Art von Comeback mit dem Album "Mermaid Avenue".

Guthrie war ein sehr produktiver Künstler, der hunderte von Songs komponierte. In Seinem Nachlass finden sich aber auch eine große Anzahl von unvertonten Songtexten. 15 davon haben Bragg und Wilco nun für dieses Album bearbeitet. Bragg ist der Politbarde von der Insel, linksgerichtet und sozial engagiert. Wilco ist eine Rockband mit Hang zu traditionellen musikalischen Ausdrucksformen. Roots-Rock sagt man auch gerne dazu. Und Guthrie ist das ideale Bindeglied, um beide - nicht so weit auseinanderliegenden - Musikwelten zusammenzuführen.

Die Musik auf "Mermaid Avenue" reicht vom Mitschunkelstück bis zur langsamen Ballade. So abwechslungsreich wie die Musik sind aber auch die ausgewählten Texte. Da gibt es Nonsens-Kinderlieder ('Hoodoo Voodoo') genauso wie Trinklieder, Herzschmerz, Agitprop und Nachdenkliches wie 'Eisler on the go', ein Text über Hanns Eisler vor dem Komitee für antiamerikansiche Umtriebe mit dem immer wiederkehrenden Eingeständni Guthries: "Ich weiß nicht, was ich (in dieser Situation) tun würde".

"Mermaid Avenue" - benannt nach der Straße auf Coney Island in der Guthrie wohnte - weist ein gerüttelt Maß an Traditionsbewußtsein auf, ohne daß es plakativ oder gar angestaubt klänge. Billy Bragg und Wilco ist damit eine passende Würdigung gelungen. Und im Guthrie-Archiv warten angeblich noch zweieinhalbtausend Texte auf ihre Vertonung.

(wm)

 

 

 


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