CD-Kritik Zur Startseite

Chris Cacavas

Anonymous

(Normal) [9-97]

Chris Cacavas - ziemlich unrasiertIrgendwann in den Achtziger haben Dan Stuart und Chuck Prophet den guten Chris "Chez" Cacavas einfach nicht mehr zu den anstehenden Aufnahmen der gemeinsamen Band Green On Red eingeladen. So hat der Keyboarder der Band gedacht, daß in allem Schlechten auch etwas Gutes steckt, sich seine schlummernden Solopläne zu Herzen genommen, die Gitarre gepackt, die Stimme geölt und eine Platte gemacht (Chris Cacavas & Junkyard Love - s/t; 1989 Heyday Records). Mit den Junkyard Love hat er dann weitere 3 Platten aufgenommen (plus zwei Return-To-Sender-Veröffentlichungen beim Mailorder Label Normal).

Bei der aktuellen Platte "Anonymous" hat Chris Cacavas die Müllhalde kurzfristig geschlossen und hat andere Leute um sich geschart. Wie beim Debütalbum hat wieder der gute Steve Wynn (Dream Syndicate, Gutterball) produziert, aufgenommen wurde in Hoboken, wo Gene Holder an den Reglern saß. Rausgekommen ist ein rundes schönes Album, das etwas zarter und akustischer daherkommt als noch die Vorgängerplatte "New Improved Pain". Spielplatz der Musik ist natürlich die amerikanische Version von Folk-Rock, klassisch instrumentiert mit Gitarren (E und A), Bass und Schlagzeug. Nicht zu vergessen, die Stimme von Chris Cacavas, die in den hohen Tonlagen angesiedelt ist und immer etwas wehleidig klingt. Bester Song des Album ist "Sullen" mit Vicky Peterson und Susan Cowsill (Continental Drifters) im Background. Die beste Platte in der Chris Cacavas Diskographie bleibt aber für mich das Debütalbum.

Chris Cacavas, da weiß man, was man hat!

(fw)

 

cacavas3.gif - .754 K

Chris Cacavas

New Improved Pain

(Normal) [10-95]

Und noch jemand, dessen Vorgänger-Album "hard to follow" war: Chris Cacavas (immer noch mit Junkyard Love als Begleitband - obwohl diesmal nicht ausdrücklich erwähnt) gelingt es auch diesmal mich zu begeistern. Chris Cacavas schreibt einfach Songs von beeindruckender Schönheit, die innerhalb kürzester Zeit zu meinen besten Freunden werden.

Man muß diesen Mann einfach lieben, dafür, daß er immer die richtigen Worte findet und mit seiner zerbrechlichen Stimme genial interpretiert. Das Songmaterial fiel diesmal insgesamt etwas rauher und psychedelischer aus als auf dem Vorgänger-Album "Pale Blonde Hell" und auch textlich befaßt er sich diesmal weniger mit Verlassen-und-Verlassenwerden, Weltschmerz und Einsamkeit. Statt dessen nimmt er Bezug auf den Zustand der amerikanischen Gesellschaft, etwa in "Guns'n'Weeds" oder "Kill Your TV", um nur einige zu nennen. Und selbst das schafft Cacavas ohne Peinlichkeit. Er ist einfach einer der begnadetsten Songwriter unserer Tage, dem es bislang noch nicht gelungen ist, eine schlechte Platte aufzunehmen. Auch diesmal nicht!

(rk)

 

Cover Chris Cacavas