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Carnivals of Souls

Ritorno a Casa

(Kamikaze Records/Indigo)

Die neue "Carnival of Souls" (COS) ist nicht irgendein Album, sondern das Comeback des Jahres! Sechs Jahre hatten sich die Gitarren-Gringos des Instrumental-Rocks dünne gemacht, von Auflösung war die Rede. Doch jetzt sind sie wieder da, und mit ihnen knapp 60 Minuten, in denen man keine Sekunde lang den Gesang vermisst. Carnival of Souls sind immer noch auf dem Retro-Trip, pflegen die Gitarrentraditionen der 50er- und 60er-Jahre. Rock´n´Roll und Italo-Western lassen grüßen, auch die Shadows, Dick Dale, Ukulelen-Künstler aus der Südsee und sämtliche Tex-Mex-Gitarreros. Carnival of Souls sprühen nur so vor Ideen, düsen rasant mit ihren Twangy-Gitarren durch die Surf-Musik, feuern Maschinengewehr-Salven aus ihren Saiten oder lassen es sich auf Hawaii gutgehen. Gezupfter Easy Listening mit der Fortschrittseuphorie der spacigen Mondfahrerjahre, sogar eine Tanzmucke ist im Repertoire inbegriffen - reichlich oldfashioned also der Sound, und trotzdem auf der Höhe der Zeit! Dass es nie nach Rendezvous unterm Nierentisch klingt, liegt an der Spannung, die COS in ihre üppigen Klangmauern einbringen. Diese Songs sind keine Hintergrundmusik, sondern sie erzählen Geschichten, und nicht alle haben ein Happy End. Natürlich war auch der heutige, aggressive und schrammelige Rock damals noch nicht erfunden, der hier allenthalben durchklingt. Und selbstredend kombinieren und fusionieren COS, was das Zeug hält. Stephane Grappelli trifft auf Hula-Mädchen, Krimiserien-Klänge werden mit kratziger Fiddle gekreuzt, irgendwo in der Prärie träumt eine einsame Les Paul vom Folkrock...

Gitarren-Fans kommen bei Carnical of Souls voll auf ihre Kosten, in wunderbar raumfüllendem Sound marschieren auf: E-Gitarre, Dobro Steelgitarre, E-Hawaii-Gitarre, Six-String und E-Bass. Die meisten davon bedient COS-Chef Achim Weigel selbst, als Kollegen gehen ihm zur Hand: Gitarrist Thomas Block, Bassist Rainer Herzam und die Percussionisten Stefan Lammert und Till Steinebach. Ach ja, für die Special Effects gibt´s noch ein sogenanntes "Theremin". Ein hochfrequenter Schwebungssummer, vor 80 Jahren in Rußland als Vorläufer elektronischer Instrumente erfunden und zuständig für die optimale Gruselatmo. Kino-Fans kennen das Geräusch aus alten B-Movies, vor allem im Sci-Fi-Genre, oder auch aus der Leinwand-Hommage an Ed Wood. COS-Fans kennen es aus "Stardust Gringo". Der Einsatz des Theremins beweist nur einmal mehr den Sinn der COS für gute Unterhaltung und sicher platzierte Akzente. Davon gibt´s hier reichlich, ein "Feuerwerk an Ideen", wie man so schön sagt. Oder eine Zeitreise auf höchstem Niveau.

(Katja Preissner)

 

 


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