CD-Kritik Zur Startseite

Bruce Cockburn

You've Never Seen Everything

(Cooking Vinyl/Indigo)

Rund 33 Jahre nach seinem Debüt und 26 Alben später fliegt der Kanadier Bruce Cockburn immer noch schneller als der Dämon Stagnation. Unermüdlich lotet er die Grenzen seines Tätigkeitsbereiches aus und lässt in seinen Polit-Folk immer neue Anregungen einfließen. "You've Never Seen Everything" ist ein verhältnismäßig jazziges Album geworden und vom Songwriting um einiges klassischer als der Vorgänger "Breakfast In New Orleans, Dinner In Timbuktu".

Song für Song genommen, greift Cockburn fast alle Abschnitte seines Schaffens auf. "Messenger Wind" ist ein reiner Folk-Song, bei dem er so lieblich singt wie in den frühen Siebzigern, während "Postcards From Cambodia" stark an den Output Ende der 80er Jahre anknüpft. Alles unverkennbar Bruce Cockburn, aber nicht veraltet. Gerade der 9-minütige Titelsong steht mit seinem anklagenden Sprechgesang in der gleichen Tradition wie "Serpentine" von Ani DiFrancos neuer Platte. "You've Never Seen Everything" ist zwar nicht ganz so kreativ ausgefallen wie "Breakfast In...", aber das Album ruht in sich selbst und präsentiert mit dem verrauchten "Everywhere Dance" wahrscheinlich einen der besten Cockburn Einzeltracks der vergangenen Jahre.

(dmm)


Bruce Cockburn

Breakfast In New Orleans, Dinner In Timbuktu

(Rykodisc)

Unter Zeitdruck könnte man das neue Werk des Kanadiers mit vier Worten rezensieren: Beide Daumen hoch - kaufen!! Ich weiß nicht, wie er es macht, aber Bruce Cockburn schreibt seit seinem Debütalbum von 1969 unermüdlich Songs allererster Güte. Leider haben das bislang die wenigsten Menschen außerhalb Kanadas bemerkt. Aber auch auf seinem neusten Album wechselt er leichtfüßig zwischen zarter Poesie und anklagenden Polit-Songs. Wobei diesmal die Poesie und ein dezent ironischer Unterton die Texte mehr bestimmen als politische Inhalte.

Musikalisch wäre seine Musik eigentlich nur Folk-Rock, wenn da nicht diese eingestreuten Zitate aus Ethno und Jazz wären, gekrönt von unwiderstehlichen Melodien und anderen Backgroundstimmen. Bereits der erste Song "When You" zeigt die Klasse des Kanadiers. Die erste Minute könnte man (zurecht) als monoton bezeichnen, aber dann streuen sich so viele Einflüsse und Klänge in das Arrangement, daß es eine wahre Freude ist. Und diese Kunst zieht sich durch das komplette Album - Cockburn-Songs sind nie sofort präsent, sie "erblühen" Takt für Takt. Also nicht nach der ersten Minute aufgeben, denn "Breakfast In New Orleans, Dinner In Timbuktu" ist ein wunderschönes, vielschichtiges Album, das seine Stärken in den Zwischentönen hat.

(dmm)

 

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