CD-Kritik Zur Startseite

Ani DiFranco

Evolve

(Righteous Babe/Indigo)

Um im rührigen Schaffen der Kanadierin den Überblick nicht zu verlieren, muss man sich ganz schön Mühe geben, aber bislang scheinen dem Power-Schlumpf die Ideen nicht auszugehen. Seit dem harschen Folk-Punk von "Dilate" (1996) hat sich Ani DiFranco über die Jahre komplett gehäutet und präsentiert sich seit einigen Jahren erwachsener denn je. Geschrien wird nur noch selten, stattdessen setzt sie ihre Stimme emotional ein und verknüpft ihren Folk immer stärker mit Jazz-Anleihen. Wobei "Anleihen" bei "Evolve" stark untertrieben ist.

Gemeinsam mit ihrer fest eingespielten Band sind die elf Songs lebendig wie zehn Schoßhündchen auf Ecstasy. Wer einen gemütlichen Spieleabend vorzeitig beenden will, muss Ani DiFranco auflegen. By the way gehört, kommen die zwölf Songs einem Hyperkinetischen Syndrom gleich, konzentriert man sich auf "Evolve", eröffnet sich ein wunderbares Album, das fernab der Masse einen eigenen Stil etabliert. Bei Ani DiFranco ist Stillstand derzeit nicht zu erkennen.

(dmm)


Ani DiFranco 

So Much Shouting / So Much Laughter 

(Righteous Babe/Indigo)

Das vorliegende Doppelalbum ist seit "Living In Clip" (1997) das zweite Live-Werk der quirligen Kanadierin. Obwohl die 24 Songs über einen Zeitraum von gut 1½ Jahren aufgenommen wurden, strahlt "So Much Shouting / So Much Laughter" eine kompakte Dynamik aus. Ani DiFranco lebt ihre Songs und gibt ihnen die Möglichkeit, sich mit den Jahren zu entwickeln. Unterstützt von einer famosen Horn-Section verleiht sie den Songs einen würdigen Glanz, der in den Bläserarrangements stark an das vergangene Album von Saint Low erinnert. Als Kontrast drischt die Kanadierin kraftvoll virtuos wie immer auf ihre Klampfe ein. Dabei steht der Gesamtklang näher an Jazz-Folk als an den bisweilen wütenden Songs ihrer Anfangstage.

Auf jeden Fall vermittelt Ani DiFranco mit diesem Live-Album die Magie, die auf den Studiowerken nicht immer überspringen will. "So Much Shouting / So Much Laughter" ist ein großes Werk, in das man sich konzentriert reinhören muss, aber Songs wie "Swandive", das aufbegehrende "To The Teeth" oder der bewegende Schlusstitel "You Had Time" zeigen, warum die Frau seit Jahren (zu Recht) über den grünen Klee gelobt wird.

(dmm)


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