CD-Kritik Zur Startseite

DJ Krush

Zen

(Columbia/Sony)

Japans Altmeister DJ Krush mit seiner Shaolin Weisheit in Form von Breaks und Rap hat wieder Speck angesetzt- will sagen, dass er den Pfad der Tugenden seines Vorgänger - Albums "Kakusei" verlassen hat und das bloße Beatgefrickele mit Fleisch versehen hat. Und was für welches! Die Augenschmaus - Legende der Brand New Heavies N`Dea Davenport könnte die Gallionsfigur bilden und steuert ihr sexy Organ "With Grace" bei (welch ein blödes Wortspiel).

In ihrer Gefolgschaft stehen soulfulle Rapper wie Black Thought, der in "Zen Approach" die meditative Stimmung durch die Rille schleift. Schleifend sind die Tempi durchgehend und straighter geht es kaum noch; kaum spektakuläre Breaks, keine Stolperbeats, keine Luftlöcher, sondern Beat an- und durchhalten. Es wäre auch unverständlich, wenn ein Künstler wie Krush auf der Stelle treten würde. Mittlerweile hat der Mann einen Status, der ihm erlaubt das auszuprobieren, was er möchte und in diesem Fall wird die Harmonie vor der Rhytmik hofiert. Viel klassische Sounds, wie Rhodes Piano und singende Glasschalen bilden das Fundament. Der Zuckerguß wird wie gesagt, schon von den Gastvokalisten besorgt. Neben Mrs. Davenport weis mich Zap Mama mit ihrem Beitrag zu "Danger Of Love" zu begeistern. Klingt fast wie Massive Attack mit Nicolette. Wird auch mal Zeit, das sich die Bristoler mit einem Neulingswerk ins Gedächtnis rufen.

Dass Herr Krush auch in der Jazzwelt Einzug gehalten hat beweisen seine euphorisch gefeierten Auftritte auf entsprechenden Festivals und auch im Hamburger Mojo Club ist er ein gerne gesehener Gast. Dieses Album wirkt jedenfalls gut abgehangen, ausgewogen wie eine perfekte Diät aus Jazz und Elektronik. Vielleicht ist dies genau was jemanden wie mich stört, der gerne eine gewisse Rauheit, oder wie ein coolerer Kollege von mir immer sagt eine "Edge", in der Musik raushört. Da ist der Drum`n´Bass Ansatz bei Stück Nr. 4 "Sonic Traveller" noch am ehesten kompatibel. Ansonsten stehe ich nicht so auf die Hochglanzvariante des langsam abgenudelten Downtemo-Genre.

(Fred)

 

DJ Krush

Kakusei

(Columbia/Sony)

Einer der Musiker der ersten Stunde des Genres Trip-Hop meldet sich nach seiner letzten für MoWax produzierten LP "Holonic-The Self Megamix" vom letzten Jahr in verändertem Soundgewand zurück. Spartanisch und abstrakt heißt die Devise für das erste Major-Projekt. Zurückgezogen auf die Wirkung des Beats mit so viel Harmonieschnipseln wie gerade nötig, wirkt diese weitestgehend programmierte und auf wenige Samples reduzierte Platte wie eine Studie, was man mit verschiedenen Drumsounds und Rhythmusverschiebung im traditonellen Breakbeatbereich an Variation erreichen kann.

Mit anderen Worten: Das Gegenteil von tanzbaren Jump-up Grooves. Das Tempo meistens schleifend, die Akzente nicht immer auf der Eins, aber immer noch locker genug um lässig durch die Gegend zu eiern. Beim Track "The Dawn" kommt die Bassdrum mit geraden Zwischenschlägen immer wieder den Synkopen dermaßen in die Quere, daß man meinen könnte, der Drummer übt einen Beat gegen die Band Diese läßt sich durch die Wunderwelt der Programmiertechnik allerdings in der Person Krushs natürlich nicht irritieren. Tricky und doch so minimalistisch. Der Japaner verzichtet fast gänzlich auf Starbesetzung als Unterstützung, wie z.B. auf der letzten Scheibe, bei der DJ Shadow; DJ Cam und Rapper CL. Smooth als einige der zahlreichen Mithelfer das Entstehen der Musik beeinflussen durften. Lediglich beim CD-Bonustrack gibt es mit "Final Home" eine soulige Gesangsnummer, bei der Entdeckung Esthelle in bester Bristol-Tradition glänzen darf.

Ansonsten regiert Krush with a little help from some friends. Die Großzahl der Tracks besticht durch ein von (Vinyl-)knistern begleitetes Knarrzen und Knarren, die sparsam eingesetzten Samples erzeugen Düsterkeit. Oftmals ist es ein verhaltenes Piano, Gongs oder ein Rattern, daß die Stimmung erzeugt. Mehr braucht es nicht, um ein Bild von der dunklen Seite Tokios zu zeigen. Jazz for the Future Generation.

(Fred)