CD-Kritik Zur Startseite

Doppelkopf

Von Abseits

(Hongkong/EMI)

Am Anfang stand das Duo Six Pack, mit dem Rapper Falk Ultermöhle und sein DJ Thyes Ruete erste Erfahrung in der Hamburger HipHop-Szene sammeln konnten. Vor zwei Jahren kam die Zäsur und Bubbles trat der Crew bei. Eine Umbenennung in Doppelkopf war die logische Folge - obwohl das mit dem Doppel gar nicht richtig ist. Da sie in Hamburg ansässig sind, müssen natürlich einige shout-outs fallen, um ihren Kollegen, die sich zum großen Teil in der Mongo Clikke zusammengeschlossen haben, Tribut zu zollen und phatte greetings zu schicken. Einer dieser Kumpanen übernahm gleich die Rolle des Produzenten. Mario Coolman von 5 Sterne Deluxe heißt dieser und hat schon mit seinem Nebenprojekt Visit Venus und einigen Tracks der letzten Fettes Brot-Scheibe ("Fettes Brot Lässt Grüssen") bewiesen, daß er die Regler und Schieber im Griff hat. Andere ließen sich in den Container Studios blicken, um ein paar Raps beizusteuern: Dendemannn von Eins, Zwo und Sammy von Dynamite Deluxe sagen beim Battle-Track "3D" hallo. Überblickt man die Hamburger Rap-Schule, so fristen Doppelkopf eindeutig die Außenseiterrolle, was sie vielleicht veranlaßte, ihr Album mit dem unter grammatikalischen Gesichtspunkten betrachtet falschen Ausdruck "Von Abseits" zu betiteln. 5 Sterne Deluxe sind die Clowns, Fischmob an der Schwelle zu Rock und Elektro und natürlich mit absoluter Narrenfreiheit, Absolute Beginners sind die Helden, die mittels smarter Texte und ohrwurmverdächtigen Sounds das Hirn jedes Hörers im Nu erobern - und das mit einer Tonne Flow pro Track. Doch Doppelkopf sind weder lustig, noch verlagern sie ihr musikalisches Spektrum in fremde Gefilde. Statt dessen ist ihr musikalisches Grundgerüst düster und lässig und dürfte kaum jemanden zum wilden auf- und abhüpfen treiben. Doch genau diese Stimmung bildet das optimale Paar zu Falks Texten, die nur bedingt optimistisch sind und fast immer eine abgeschlossene Story erzählen. Falk hat definitiv nichts an Partytexten und seine Berufung nicht der Aufmunterung der Hörer geopfert. Lieber versucht er sie mit interessanten Geschichten, im Old School-Style vorgetragen, zu locken und zu fesseln. So kommen dann solche smoothen Nummern wie "Supa Stah" (die Geschichte von Schlendrian, dem Super Star Träumer), "Balance" (mit Bass, Flöte und sanften Gitarrenklängen eingespielt), "Starrin' Bubbles" (supa trauriges und schwarzes Stück) und natürlich oben erwähntes "3D" zustande. Und wer hat schon einmal davon gehört, daß einer zusammenstoßende Billardkugeln gesampelt und in einen Track ("MMM") eingebettet hat? Eben!

(kfb)

 Cover Doppelkopf