CD-Kritik Zur Startseite

Edguy

Hellfire Club

(Nuclear Blast/Warner)

Die mir vorliegende Promo-CD von "Hellfire Club" wird "veredelt" mit Audiokommentaren von Tobias Sammet, der zwischen witzig und ein bisschen zu selbstbewusst mitten in die Lieder quasselt. Mal abgesehen davon, dass man sich dabei nicht auf die Atmosphäre einer Platte einlassen kann, hat es hier den witzigen Nebeneffekt, dass sich der Edguy Sänger den Apfel selbst auf den Kopf legt. Die Band weiß, dass sie "cheesy Pussy-Metal" macht und überlässt es jedem einzelnen, ob er den Apfel von ihrem Kopf schießt oder nicht. Während der Vorgänger "Mandrake" offener und zeitloser klang, treiben Edguy mit ihrem neuen Album wieder die Klischee-Sau durchs Dorf. In ihrer selbstironischen Begeisterung für das, was sie tun, sind die Hessen zwar immer noch sympathisch, aber außer der auffallend gelungenen Seventies-Hommage "The Piper Never Dies" ist hier nichts drauf, was man von Edguy nicht schon so oder so ähnlich gehört hat.

(dmm)


Edguy

Burning Down The Opera – Live

(AFM/Soulfood) [6-2003]

Edguy gehören sicher zu den fleißigsten Hardrock-Combos in unserem Land. Innerhalb weniger Jahre haben sie sich von einer Provinzcombo zu Vorzeige-Metalern entwickelt und fahren schon eine ganze Weile beachtliche Erfolge auch außerhalb Deutschlands ein. Nach fünf Studioalben und zwei Soloalben von Tobias Sammet ("Avantasia") ist der Live-Nachschlag fast schon überreif.

16 Songs auf zwei CDs, mehr als 100 Minuten Spielzeit mit einem repräsentativen Querschnitt durch das ganze Schaffen. Von "Avantasia" ist unter anderem auch der Titelsong vertreten und selbst mit der für Live-Zwecke angepassten Melodieführung im Refrain entwickelt die Nummer eine ungeheure Kraft. Dass Tobias Sammet auf der Bühne ein Kasper vor dem Herrn ist und gerne Mit-Sing-Spielchen veranstaltet, ist inzwischen bekannt. Wen das stört, achtet auf die Musik wird mit einem berauschenden Finale aus "Inside", "Avantasia" und "Out Of Control" belohnt.

(dmm)

Edguy 

Mandrake

(AFM / Connected)

Wurden die Oberhessen zu Beginn ihrer Karriere eher belächelt haben sie schon mit ihrem vergangenen Album "Theatre Of Salvation" die einheimischen Vorbilder locker abgehängt. Jetzt haben Edguy mit "Mandrake" die internationale Konkurrenz im Visier. Ausgefuchst und super fett hauen die fünf Jungs ihre Songs unters Volk. Dass man dabei jeden Ton, jede Harmonie im Vorfeld erahnen kann, schmälert den Eindruck aber keineswegs. Man weiß, was man kriegt - und das in Formvollendung.

Abzüge gibt's nur für "Nailed To The Wheel", bei dem sich die Band im Refrain an der eigenen Theke bedient ("No More Foolin' "), und für das saublöde Keyboard-Intro von "Save Us Now". Gleicht sich aber mit dem Mut aus, das Album mit dem verhältnismäßig ruhigen "Tears Of A Mandrake" zu eröffnen und generell nicht nur auf die Speedtaste zu drücken. Tobias Sammet's "Avantasia" hat es schon gezeigt: In Sachen Vocal-Arrangements und Bombast macht Edguy im Moment keiner was vor.

(dmm)