CD-Kritik Zur Startseite

Stephan Eicher 

Stephan Eicher's Favourite Hotel*s

(Virgin)

Best Of-Alben sind oft unnütz: Vertragserfüllung, lieblos zusammengestellt und man steht als Fan grübelnd davor, ob man sich für zwei neue Lieder wirklich nochmal alle anderen mit kaufen soll. Umso erfreulicher, wenn ein Künstler seine 19 liebsten Songs selbst zusammenstellt, sie mit einem umfangreichen Booklet und eigenen Liner-Notes versieht und die Erstausgabe in einen Papp-Schuber mit einer zweiten CD zusammen packt. Auf dieser sind nochmal 12 Titel, die unter der Überschrift "Lost and Found" allerlei Remixes, Demoversionen, Backstage-Aufnahmen, auf den komischsten Medien im Originalzustand aufgenommen, präsentiert.

Stephan Eicher hat seine Werkschau chronologisch geordnet und somit steigt das Album mit Aufnahmen von seinem 1983 erschienenen Debüt-Album ein . "La Chanson Bleue" und "Combien De Temps" sind richtig fiese 80er-Jahre Monster mit Quäke-Keyboards und einer heftigen Snare. Erst im vierten Song "Silence" wird man von Stephan Eicher empfangen, wie man ihn seit rund 15 Jahren kennt. Die 19 Tracks sind, wie auch auf allen Alben, eine bunte Mischung aus schwyzerdütschen, englischen und französischen Titeln. Während man durch die chronologische Anordnung die Weiterentwicklung ganz deutlich sehen kann, spürt man aber auch, auf welch hohem Niveau Stephan Eicher und sein langjähriger Textpartner Philippe Djian all die Jahre komponiert haben. Best Of-Alben haben somit doch noch eine Funktion: Manchmal braucht man sie, um einen geschätzten Künstler den Hörern nochmal nahe zu bringen. Wer also den umtriebigen Schweizer bisher zu wenig beachtet hat, sollte sich schnell auf die Socken machen und in "Stephan Eicher's Favourite Hotel*s" einchecken. Übrigens ein wunderbarer Name für die Compilation eines Künstlers, der viele seiner Songs in Hotels aufgenommen hat und bei dem sich hartnäckig die Legende hält, dass er gar keine eigene Wohnung hat.

(dmm)