CD-Kritik Zur Startseite

Evergrey

The Inner Circle

(Insideout/SPV)

Evergrey Mastermind Tom S. Englund ist ein ganz Fleißiger: Vier Alben in vier Jahren und trotz wechselnder Bandbesetzung konnte sich das Endergebnis immer hören lassen. Das neue Werk "The Inner Circle" ist sogar noch stärker geworden als der Vorgänger "Recreation Day". Englund mischt in perfekter Dosierung den episch progressiven Hardrock seiner Band mit weichen Piano-Parts und Female-Vocals, schichtet Gitarrenspuren und Double-Bass-Gewitter übereinander ohne dabei die Transparenz aus dem Auge zu verlieren.

Die zehn neuen Songs wirken nie überfrachtet und strahlen trotz ihrer Komplexität Wut und Verzweiflung aus. Thematisch hat sich Englund mit dem Kindesmissbrauch durch Geistliche einen schwer verdaulichen Brocken rausgesucht, aber Evergrey scheitern nicht an der musikalischen Umsetzung, besonders weil die Band am Anfang des Albums ordentlich auf die Tube drückt, um ihrem Zorn freien Lauf zu lassen. Ich muss noch einmal darauf hinweisen, Evergrey sind großartig obwohl sie Metal spielen.

(dmm)


Evergrey

Recreation Day

(Insideout/SPV)

Beim Opener "The Great Deceiver" mussten die Jungs von Evergrey scheinbar erstmal ihr Mütchen kühlen. Da wird alles ausgepackt, was eine Progressive-Band zu bieten hat und das Quintett tobt sich durch leicht nervige Keyboards, Frickel-Attacken und seltsame Chöre. Danach lassen sie es etwas ruhiger und gemäßigter angehen und man merkt schnell, dass das dritte Werk der Schweden um einiges offener ausgefallen ist als die beiden Vorgänger. Die melancholische Wut ist in den Hintergrund gerückt um Platz zu schaffen für mehr Stilvielfalt und teilweise fast schon freundliche Arrangements. Die Halbballade "I'm Sorry" oder das komplett ausgestöpselte "Madness Caught Another Victim" wären auf den ersten beiden Alben stilistisch nicht denkbar gewesen. Evergrey gehören auch mit "Recreation Day" nach wie vor zu den erfreulichsten Erscheinungen im Metal-Circus.

(dmm)

Evergrey

In Search Of Truth

(Insideout / SPV)

Als ich "In Search Of Truth" das erste Mal gehört habe, war mein erster Gedanke, ob es eine gute Idee gewesen sei, einen Keyboarder fest in das Line-Up der Band zu integrieren. Beim zweiten Blick habe ich dem Mann dann aber doch etwas viel Bürde auf die Schulter geladen, denn von der Mannschaft des vergangenen Albums "Solitude Dominance Tragedy" sind eigentlich nur noch Mastermind Tom S. Englund und der Schlagzeuger Patrick Carlsson an Bord. Vielleicht lässt sich so die Veränderung des Evergrey-Sounds erklären, der mit dem neuen Album um einiges progressiver und symphonischer geworden ist.

Da meine persönliche Messlatte nach dem vergangenen Album sehr hoch gelegt war, war ich zugegebenermaßen nach dem ersten Hören wirklich enttäuscht. Inzwischen habe ich mir das Album ausreichend zu Gemüte geführt und festgestellt, dass Evergrey zwar etwas anders geworden sind, aber nicht wirklich schlechter. Der Opener "The Masterplan" will irgendwie nicht mehr aus meinem Kopf verschwinden, das ausgefuchste und komplexe "Mark Of The Triangle" lässt mich jubilieren und "Misled" beschließt würdig das Album.

Tom S. Englund sind neun Perlen geglückt, welche die Trademarks der Band beibehalten, sie aber in eine andere Richtung weiter entwickelt haben. Die Band versteht es meisterhaft, Härte nur als Stilelement zu nutzen und wenn Tom Englund dann mit gepresster Verzweiflung die mystischen Texte draufsingt, dann ist auch "In Search Of Truth" Pflichtprogramm für jeden, der "Solitude Dominance Tragedy" mochte.

(dmm)