CD-Kritik Zur Startseite

Favez

Bellefontaine Avenue

(Sticksister/Indigo)

Die fleißigen Schweizer haben auf ihrem vierten Album die Zügel selbst in die Hand genommen und "Bellefontaine Avenue" komplett in Eigenregie eingespielt und produziert. Zierte das zweite und dritte Werk noch der große Namen von John Agnello, kann man das Fazit ziehen, dass die Sympathen aus Lausanne dem Herrn fleißig auf die Finger geschaut haben. Das Album klingt frisch und unverbraucht und pendelt auf angenehme Weise zwischen jugendlichem Heißsporn und Erfahrung.

Waren die vorhergehenden Alben in sich homogener, legen Favez diesmal großen Wert auf maximale Stilvielfalt. Die Härte von "(From Lausanne, Switzerland)" haben sie genauso drauf wie die Hymnen von "Gentlemen, Start Your Engines" und zeigen sich insgesamt noch melodiefreundlicher. "Bellefontaine Avenue" vermittelt Aufbruchsstimmung und ist trotz minimaler Schwächen im Songwriting der vierte Volltreffer.

(dmm)


Favez

(from Lausanne, Switzerland)

Sticksister/Indigo

 

Warum Favez mit dem Titel des Albums unbedingt auf ihren Herkunftsort hinweisen wollen, bleibt zunächst schleierhaft. Bei genauerer Überlegung könnte es mit dem vielen Touren zusammenhängen. Zwei Jahre waren Favez auf europäischen und amerikanischen Bühnen unterwegs, und jeden Abend sagte sie bestimmt so etwas wie: "Hi, we are Favez from Lausanne, Switzerland." Man definiert sich als Musiker zwangsläufig über seine Heimat.

Favez könnten auch genauso gut in Chicago oder Washington D.C. leben. Im Dunstkreis der Labels Dischord, Jetset, Quarterstick oder Southern würden sie nicht aus dem stilistischen Rahmen fallen. Nennt es Emo oder Noise Rock mit viel Melodie - Favez ist es wahrscheinlich gleich. Sie wüten und sie trauern auf "(from Lausanne, Switzerland)", und diese Gefühlszustände werden in ein ganz anderes Licht gerückt, wenn man weiß, dass ihr Produzent John Agnello vier Tage vor Aufnahmebeginn in New York nur knapp den Anschlägen auf das WTC entkommen war.

(kfb)

Favez

Gentlemen start your engines

(Sissy/Indigo)

"Hier ist es schön ruhig. Die Schweiz eben. Kriegt man da nicht Lust, ein bißchen Krach zu machen?" Favez über Favez. Momentan ein Gitarren-Quartett mit offenbar erheblichem Drummer-Verschleiß. Guter, alter Rock mit weiten Melodie-Bögen, Harmoniegesang und schrammeliger Pop-Attitüde. Straight und schnörkellos. Mit Hang zum Melancholischen, viel, viel Drive und trotzdem sehr leichtfüßig. Kaum zu glauben, dass diese Band ein rein akustisches Debütalbum ("A sad ride on the line again") vorgelegt hat.

Die Jungs spielen seit 1990 zusammen, und mittlerweile ist man auch in den USA auf sie aufmerksam geworden. Das neue, zweite Album hat John Agnello (Zusammenarbeit mit Dinosaur Jr., Screaming Trees, Patti Smith) in New Jersey produziert. Warum noch viele Worte verlieren, wenn's auch einfach drei tun: Ja! Ja! Ja! Kick-asst und hat das Herz am rechten Fleck. Genauso muß echter Rock sein. Genau so!

(Katja Preissner)