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Fink

Letzter September

(Return to sender RTS 36)

Letzten September war es, als Fink durch die Republik tourten. Und durch Orte, die "Rauchbar", "Campustheater" oder "Café Mokka" heißen. Kleine Säle, die sich rocken lassen, ohne die Fink-eigene Poesie zu verlieren. Denn die ist es, die die Konzerte der vier Hamburger so herausragend macht. Auge in Auge mit den Fans erzählen sich die schrägen Geschichten und launigen Liebesballaden halt am besten.

Grimmig und nach scharfem Blick klingt´s, wenn sich Fink auf die Bühne stellen. Rustikal und ein bisschen sperrig, aber auch bunt und facettenreich. Schöntöner sind die Hamburger keine. Das Ohr der Fans soll nicht verwöhnt, sondern angeregt werden. Und so liefert die Band nicht nur ihren spröden, rumpeligen Holz-Sound mit spitzen Gräten, sondern auch die schillernden Klangfarben der Gäste. Die Geige von Ecki Heins, die Orgel des Reverend Ch. D. und Trompete, Vibraphon und Percussions von Martin Wenk. Gemeinsam zaubern sie Atmosphäre und Bilder in den Raum.

Das Repertoire besteht aus Songs von allen bisher erschienenen Fink-Alben. Widmungen zwischen Liebe und Hass, Texte mit Haken und Ösen und in den Alltag runtergezogene Western-Metaphern. Mit Liedern wie "Herz aus Holz" ging es Mitte der 90er los, mit "Fisch im Maul" (hier in einer seltsam trockenen Fassung ohne Twang) mußten sie sich schon gegen das Country-Etikett wehren, mit Songs wie "So fass ich´s an" erreichte ihre literarische Qualität einen neuen Zenith, und "Irgendwann Regen" führte zurück zur neuen Klang-Bescheidenheit. Die Spannung auf "Letzter September" lässt sich mit Händen greifen. Nur der Sound bleibt unnatürlich blass und dürr, Nils Koppruch singt wie von fern durch eine Nebelwand. Wer die legendären Fink-Auftritte genießen will, muss sich immer noch selber ins Konzert bewegen.

(Katja Preissner)

 

 

 

Fink-Interview 2000

Fink

Fink

(L'age d'or/Zomba) (4-01)

Lieder, so schön wie der Norden: das vierte Fink-Album ist eine Hommage ans nasse Element im allgemeinen und die Waterkant im besonderen. Selbst wenn das meiste metaphorisch zu verstehen ist, denn eigentlich geht´s ums Menschsein an sich, ums Geworfensein in die Fluten des Lebens, um die Ursuppe... Alles fließt.

"Fink" ist als Konzeptalbum angelegt, verbindet das Psychodrama eines namenlosen Helden mit den unbeherrschbaren Kräften der See. Entsprechend rauh und düster ist der Ton. Die Zeiten des "Country ohne Country" sind vorbei, zu komplex und zu spezifisch ist der Fink-Sound mittlerweile: ruppiger Roots-Rock, polternde Percussions und simple Melodien verschmelzen zu archaischer Poesie. Nach wie vor strahlen Chanson und Western als Einflüsse ab, aber subtiler als auf früheren Fink-Werken.

"Fink" ist zweifellos das atmosphärischste Album der vier Hamburger, begünstigt durch zwei Faktoren. Zum einen präsentiert sich das Werk stilistisch auffallend einheitlich: fließender, pulsierender Folk-Rock wird als Grundnenner nur in unterschiedlichen Gangarten variiert (Bottleneck-Psychedelia, Gebetsmühlen-Blues, Cajun, Walzer etc.). Zum anderen klingt der Fink-Sound so dicht wie selten zuvor. Manche Arrangements sind zu wahren "Walls of Sound" geraten - und zwar mit bemerkenswerter Beiläufigkeit. Nutzten Fink noch auf dem (brillanten) Vorgängeralbum "Mondscheiner" zum Beispiel die Orgel, um gleich exzessiv im Plüsch zu baden, so navigieren sie jetzt souverän und konzentriert durch die musikalischen Klippen, ein kleines Orchester im Schlepptau (Martin Wenk an Trompete und Vibraphon - zuständig sowohl für Tex-Mex- als auch Blue-Note-Flair, Ecki Heins an der Violine, Reverend Ch. D. an Harmonium und Orgel) und die Hand fest am Ruder - schließlich ist "Fink" das erste selbstproduzierte Album der Hamburger! Die Stimmung erinnert stark ans Debüt "Vogelbeobachtung im Winter": dunkel und rustikal eben - musikalisch aber kein Vergleich! Gegen´s vierte Opus wirkt der Einstand karg, fast unbeholfen. Der Kreis schließt sich also nur scheinbar, in Wahrheit geht´s für Fink volle Kraft voraus. Nur eines, das ändert sich wohl nie: immer wenn sich das Quartett in den Texten versöhnlich, ja sogar zuversichtlich gibt, wird´s musikalisch so richtig melancholisch. Ihre Fans lieben das...

(Katja Preissner)

 

 

 

Fink

Mondscheiner

(L'Age d'Or/Indigo)

Mondscheiner heißt eigentlich moonshine und ist ins Deutsche übersetzt illegal gebrannter Whisky. Die amerikanische Regierung macht je gerade mächtig Front gegen das illegale Schnapsbrennen, hebt Lager aus, zerstört den Fusel und verhaftet die Schwarzbrenner. Einige dieser Fusel sollen gar lebensgefährlich sein. Fink sind das nicht. Trotz aller Melancholie und schwarzem Humor in ihren Texten ist ihnen die Freude am Leben geblieben. Auch der Weggang zweier Musiker konnte die nunmehr wieder zum Quartett angewachsene Gruppe nicht erschüttern geschweige denn in den Tod treiben. Wer ein richtiger Cowboy ist, der kennt doch keinen Schmerz. Da heißt es Augen-zu-und-durch und schon ist die Welt wieder in Ordnung. Wäre auch blöd gewesen einfach die Flinte ins Korn zu werfen und den Sattel für alle Ewigkeit an den Nagel zu hängen. Ich hätte sie vermisst, die Musik von Fink.

1998 auf der Popkomm schleifte mich Kollege Keimel mit auf ihr Konzert und plötzlich ging mir ein Licht auf. Country ist verdammt cool und sexy. Hundertprozentig Country ist das nicht unbedingt, was uns mit "Mondscheiner" in die Stube flattert. Auch Pop und Indie Rock erfüllen den Raum. Jedenfalls ist der Hang zur berittenen Musik unüberhörbar. Die dazugehörigen Texte sind teilweise sehr abstrakt und bizarr und immer wieder wunderschön und wunderbar zum Zuhören geeignet. Nils Koppruch hat nicht nur eine gute Stimme, er hat zudem Charisma und beneidenswerte lyrische und (mit seinen Kollegen) musikalische Ergüsse zutage gebracht.

(kfb )

 

 

 

 

Fink

Loch in der Welt

(iXiXeS-records/Indigo)

Nach dem letztjährigen Debüt- Album "Vogelbeobachtungen im Winter", das schon überall gehypt wurde, legen FINK aus Hamburg, mit "Loch in der Welt" jetzt noch Einen nach, wenn nicht sogar noch Einen drauf.

FINK sind die legitime, deutsche Antwort auf "16 Horsepower". Für die Unwissenden unter euch: Bei beiden Bands dient amerikanische Country- Musik als Basis für das Songwriting, das aber auch Rockeinflüße mit einbezieht. Wurde der amerikanische Country auf dem ersten Album noch fast 1:1 übernommen, gelingt es FINK auf dem neuen Album, die bilderreiche Sprache desselben in eine eigene Sprache umzuwandeln. Und die ist nun einmal "Deutsch". Aber es funktioniert trotzdem. FINK erzählen in ihren Songs Geschichten von entwaffnender Einfachheit und ergreifender Schönheit. Sänger Nils Koppruch balanciert mit seinem Gesang und seinen Texten konsequent auf dem schmalen Grat zwischen Wolf Maahn und Element of Crime, zwischen Garth Brooks und Merle Haggard oder einfach zwischen Dummheit oder Genialität. Und während er so die Mitte hält, setzt er immer wieder zu Höhenflügen an, um im nächsten Moment wieder volle Bodenhaftung zu haben. Und genau dadurch erhalten die Songs eine Spannung des Banalen und Privaten.

Dank FINK wird einem klar, daß das echte Action-Kino im Alltäglichen liegt und, daß der echte Horror gleich um die nächste Straßenecke geschlendert kommt. Das fängt dann gleich morgens um sechs mit dem Aufstehen an und endet, wenn überhaupt, mit dem letzten Drink auf Pump an der Theke der "netten" Banhofskneipe. Diese Platte solltet ihr eigentlich immer hören. Zumindest aber solange, bis die Kühe nach Hause kommen.

(rk)

 

Cover Fink: Loch in der Welt