CD-Kritik Zur Startseite

The Go-Betweens

The friends of Rachel Worth

(Clearspot/EfA 05425-2)

"Melancholisch, romantisch und aus der Zeit gefallen" schreibt der Kollege im Rolling Stone über das neue Go-Betweens-Album. Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Zarte Gitarrenpop-Seide haben sie gesponnen, die beiden Australier. Grant McLennan und Robert Forster sind Anfang und Ende (?) der Go-Betweens: zu zweit fingen sie 1978 an, und zu zweit machen sie nun nach 11 Jahren Pause weiter. Der Kreis schließt sich. Und fast ebenso gleichmäßig und formvollendet, wie der Kreis an sich, klingt auch ihre Musik. Ohne dabei je steril zu wirken, bewahre. Leicht, federnd, intensiv und bittersüß - perfekteren Pop findet man kaum, allerdings auch kaum dezenteren. Go-Betweens-Songs knallen nicht. Höchstens, dass sie im Refrain plötzlich euphorische Ohrwurmqualitäten an den Tag legen. Ansonsten aber muss man sie schon einige Male hören, bis sie sich festbeißen.

Die beiden Temperamente (Forster: der düstere Dandy; McLennan: der sonnige Klangpoet) fügen sich wieder auf's Beste. Und erzeugen so diesen seltsamen Realismus: den Kopf in den Wolken, mit den Füßen auf der Erde. Dies- und jenseitig zugleich. Und auch wenn man in manchen Takten die alte Punk-Herkunft, die New Wave-Jahre durchzuhören glaubt: die Gratwanderung zwischen den Sparten, die die Go-Betweens hier absolvieren, ist einfach unnachahmlich. Pop, Folk, College-Rock oder Singer-Songwriter-Kunst? Der Go-Between-Sound transzendiert die Grenre-Grenzen und zwingt zum Hinhören.

Scheinbar mühelos fügt sich das Ge-Between-Duo also in die Zucker-Indie-Pop-Landschaft des neuen Jahrtausends, obwohl Kollegen wie Elliott Smith und die Pearlfisher den Filigran-Zupf-Sound längst perfektioniert haben. Dafür waren mehrere Anarcho-Rockerinnen von Sleater Kinney mit im Studio und füllten die Lücken des einstigen Quintetts. Und das typische Go-Between-Flair, das bleibt sowieso unkopierbar - vielleicht macht's ja der Außenseiter-Status von Down Under: ohne Chance zur Nabelschau, von den großmäuligen Weltmetropolen abgeschrieben und zur zeitlosen Blüte verdammt: die Go-Betweens tragen den Fluch mit Würde.

(Katja Preissner)