CD-Kritik Zur Startseite

The Goo Goo Dolls

Gutterflower

(WEA)

Über das vergangene Album der Goo Goo Dolls "Dizzy Up The Girl" (s.u.) habe ich seinerzeit geschrieben, dass der Staub noch an den Stiefeln klebt; inzwischen sind die Schühchen aber blank geputzt.

Das Trio steht im Moment an dem gefährlichen Punkt einer ehemaligen Independent-Band, die auf einem ziemlich breiten Mainstream-Highway fährt. Den Dreck der alten Tage haben sie komplett abgebürstet und man stellt sich schon die Frage, ob die Produktion so kantenfrei hätte ausfallen müssen. "Gutterflower" ist wie ein Gedicht von Ringelnatz - einmal gehört, direkt gemerkt.

The Goo Goo Dolls spielen in lässiger Routine das aus, was sie sich über die Jahre erarbeitet haben. Dabei ignorieren sie mild lächelnd alle Trends und verneigen sich weder vor tiefergestimmten Gitarren noch vor irgendwelchem Schnickschnack. Die zwölf neuen Songs sind einzig und allein gut hörbarer US-Radio-Rock mit eingängigen Refrains. Den Rock-Olymp werden The Goo Goo Dolls mit diesem Album sicher nicht erobern, aber Songs wie "Sympathy" und "Truth Is A Whisper" muss man erst mal schreiben und diese Güte auch über eine dreiviertel Stunde aufrecht erhalten. Klingt blöd, aber das ist "Mainstream at it's best".

(dmm)

 


The Goo Goo Dolls

Dizzy Up The Girl

(Edel Records)

Wenn ich mir die Bandgeschichte von den Goo Goo Dolls betrachte komme ich nicht umhin, den Vergleich zu Soul Asylum zu ziehen. Fünf Alben lang dümpelten sie mehr oder minder unbeachtet in der Indie-Szene rum, als "Runaway Train" - gepusht durch ein cleveres Video - mit einem Schlag aus der Heavy Rotation der Musiksender nicht mehr wegzudenken war.

Der Weg der Goo Goo Dolls ist fast identisch. Mit dem Song "Iris" aus dem Soundtrack von "City Of Angels" und der Nachfolge-Single "Slide" haben sie sich zwar etwas langsamer ins Rampenlicht geschoben, aber inzwischen eine beachtliche Anerkennung erkämpft. Das vorliegende, sechste Album "Dizzy Up The Girl" beweist (wie seinerzeit bei Soul Asylum), daß sich jahrelanges touren und Platten veröffentlichen auszeichnet. Unterstützt von dem frisch Grammy gekürten Produzent Rob Cavallo präsentiert die Band um Sänger John Rzeznik, vierzehn Songs ohne einen Durchhänger. Sehnsüchtige Balladen (Black Ballon) geben launigen Abgeh-Nummern (Bullet Proof) die Klinke in die Hand. Den drei Musikern gelingt scheinbar mühelos die Verbindung von kommerziellen Melodien mit der Live-Authenzität einer ehemaligen Punkband. Von den härteren Klängen der Anfangstage haben sie sich zwar verabschiedet, doch der Zorn schwelt noch unter der Oberfläche; der Dreck klebt noch an den Schuhen. Diese Mischung macht "Dizzy Up The Girl" für mich zur ersten Überrraschung im noch sehr jungen Jahr - perfekter kann ein Rockalbum kaum sein.

(dmm)


Zum Hinternet-Weblog Zum Kalender Galerie zum Archiv Impressum