CD-Kritik Zur Startseite

Granfaloon Bus

Exploded View

Glitterhouse/Indigo

Ruhe und Besinnlichkeit sind Stimmungszustände, die nur zu gut zu dieser Jahreszeit passen. Da kommen uns die vier Zeitlupenmusiker aus San Francisco gerade Recht. Granfaloon Bus sind bekannt für ihre wunderschöne Untermalung unendlicher Weiten. Wo man auch hin schaut, man sieht nichts als dürre Landschaften. Doch in der Ferne erkennt man einen Salon und aus diesem dringt aufs Wesentliche reduzierte Country & Western-Musik an unsere Ohren. "Jemand fragte mich nach einer Show in Berlin vor ein paar Jahren: Warum schreibt ihr keine Lieder übers Saufen mehr? Darauf hatte ich keine Antwort. Deshalb besteht 'Exploded View' aus lauter Liedern übers Trinken", so schnell geht das bei Sänger Felix Costanza. Diese Lieder sind nicht zum Tanzen oder Mitgrölen gedacht. Eher schon zum Mitleiden und Mitfühlen. Sie gehen unter die Haut, treiben einem Gänsehaut über selbige und ziehen einen in einen Strudel der Melancholie. Selten hat es solchen Spaß gemacht, schlecht drauf zu kommen.

(kfb)

 

Granfaloon Bus

Rocket Noon

(Trocadero Records/Rough Trade) [10-96]

Obwohl mir die Fiedel als Instrument im Kontext von sogenannter Indie-Musik (im weitesten Sinne) normalerweise überhaupt nicht reingeht, weil sie mich mit ihrem Gequietsche bis zum Zahnweh nervt, muß ich hier eine Ausnahme machen. Leicht athmosphärisch, beschwingt und überhaupt nicht zukleisternd wird die Geige zur Untermalung der Melodieführung der Gitarre zur Seite gestellt. Stellt euch die Violent Femmes ohne den übertriebenen Pathos vor, den sie ab der zweiten Platte an den Tag legten. So schön kann zeitgemäßer Folk klingen. Auch Instrumente wie Accordion, Mandoline, Harmonica und Tambourin werden genial in Szene gesetzt.

Die richtige Platte für die immer länger werdenden Tage. Hätte ich die Kohle, würde ich mir für diese und artverwandte Platten einen Kamin bauen lassen, um mir das Landambiente in die Bude zu zaubern. Denkt jetzt nicht, daß Granfaloon Bus seicht und konventionell sind - dafür sorgt alleine schon die Rhythmik, die nicht nach Schema-F-Bahnen verläuft und öfters auch mal lautmalerisch funktioniert. Die etwas andere Platte, die meiner melancholische Herbststimmung Flügel verleiht.

(fred)

Cover: Granfaloon Bus