CD-Kritik Zur Startseite

GUZ 

Geheime Weltregierung 

(Elbtonal CD ET 33)

GUZ – das stand früher mal für einfache, kluge und äußerst originelle Popmusik. Low-Fi-Pop, eher schräg als schmeichelnd. Aber trotzdem eingängig, ja fast naiv. Das ganze als eine Art bilaterale Beziehung zwischen Hamburg und der Schweiz. Besser gesagt: Schaffhausen, wo GUZ alias Olifr Maurmann herkam. Irgendwie war er mit seiner Band Aeronauten in die „Hamburger Schule“ hineingeraten, wo sie die irrsten Späße von allen trieben. Mit Texten, die so antiintellektuell waren, wie es nur ging. Und mit viel Understatement vorgetragen wurden.

Mit GUZ bediente Maurmann dieses Genre parallel zu den Aeronauten weiter. Trieb es aber auch zu kleinen Exzessen. Sprich: war spröder, erlaubte sich mehr Ecken und Kanten. Und Texte, die so abgedreht waren, dass die Aeronauten dagegen wie eine Spaßcombo wirkten.

Und diese Linie setzt er mit „Geheime Weltregierung“ fort. Wer ein lustiges kleines Pop-Album mit vielen Casio-Linien erwartet hat, wird enttäuscht! GUZ hat die Gitarre entdeckt – jedenfalls mehr denn je. Es scheppert und kracht, dass einem zuerst mal fast die Ohren abfallen.

Aber dann merkt man, Lied für Lied: GUZ ist auf dem Retro-Trip und frönt unvergessenen Rockbilly- und Garagenrock-Idolen. Mehrfach erwähnt er sie auch im Booklet: vom Bo Diddley bis zu Chuck Berry und Carl Perkins. Könnte natürlich eine Finte sein, ist es aber nicht.

Vom Pogo-Monster „Ich lebe gefährlich“ bis zum twangy „Bahnhof Gonzo“ hechelt GUZ die verschiedenen Stile durch, erst spät kommen auch wieder ein paar Synthie-Spuren dazu.

Nichtdestotrotz: den alten GUZ findet man schnell wieder. In den genialen, wie immer ausgebufften Melodien. Vieles mag noch so sehr rumpeln und auf die Ohren hauen – einen Hauch von Beatles findet man doch in den meisten Takes. Fröhlich sind sie, ein bisschen manisch, wie man es ebenfalls von GUZ kennt. Und dann natürlich in seinen durchtriebenen Texten. Gut dass er die meisten Texte im Booklet erklärt. Etwa „Wir sind zuhaus (und ihr seid draußen)“ über einen Mann, der mehrere Monate neben der Leiche seines Vaters vor dem Fernseher verbringt. So weiß man dann auch sofort die Anfangszeile „Der Winter war trotzdem gar kein Problem, erst im Sommer kam der Geruch.“ einzuordnen...

Simpel, fast improvisiert und immer hart an der Sprech-Sprache orientiert, so sind die GUZ-Texte. Gekünstelt wirkt hier nichts, mit Hingabe arrangiert: allenfalls die Musik. Dass die Worte so einfach aus ihm herausquellen, macht viel von der vorgeblichen Harmlosigkeit GUZ´ aus. Unschuldig klingt er fast immer, und das ist doch auch das Prinzip von Popmusik, oder?

Klar, dass jemand wie er einen Song „Wein mir einen Fluss“ nennen muss. Klar auch, dass es ein „Cry me a river“ schon lange vor Justin Timberland gab. Ich sagte ja schon, Retro-Trip.

Schön übrigens auch, wenn GUZ vorgibt, dass das Lied „Witzgeneral“ ursprünglich „Satiremagazinkolumnist“ heissen sollte, aber zu schwer zu singen war. Oder dass die in unmissverständliche Worte gegossene Verschwörungstheorie „Geheime Weltregierung“ dann ausgerechnet als verträumter Reggae daherkommt. GUZ treibt ein Spiel mit seinen Hörern. Ich weiß noch nicht, welches. Aber man sollte dankbar sein und ihm viel Geld dafür zahlen.

(Katja Preissner)



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