CD-Kritik Zur Startseite

Terry Lee Hale

Tender Loving Hell: The Best Of Terry Lee Hale
(inkl. Bonus-CD Oh what a world)

Glitterhoue 2003

Auch weniger bekannte Künstler haben irgendwann mal ein Best-Of-Album verdient. Terry Lee Hale tourt seit Jahren durch die kleinen Clubs der Welt und spielt seine ruhigen, sanften, oft etwas traurigen, meist zurückhaltend gespielten und arrangierten Singer-/Songwriter-Songs. In Rezensionen unbekannter Künstler muß ja immer alles eingeordnet werden, damit sich Leute eine Vorstellung bilden können. Man stelle sich Terry Lee Hale musikalisch also irgendwo zwischen Don McLean und den Walkabouts vor. Letztere sind hier übrigens recht einflußreich vertreten: In Musik, Gesang und Produktion tauchen immer wieder Mitglieder der Folkrock-FreundInnen aus Seatlle auf. Walkabouts-Fans werden auch Herrn Hale mögen. Prägnante Unterschiede sind die hier meist dominierende Akkustik-Gitarre und die weniger poetisch-bildhaft-verschlüsselten, eher direkten und Geschichten erzählenden Texte. Die meisten Songs sind in intimen Settings aufgenommen, jedes Knarzen auf der Saite ist zu hören. Die Musik dieses Menschen sagt: Werde mein Freund und komm mal vorbei, wenn ich in einer Kneipe in Deiner Nähe auftrete.

Als Bonbon (und Kaufanreiz für Fans) liegt dem Album eine Bonus-CD bei, die 10 1992er-Aufnahmen aus der Zeit vor dem ersten regulären TLH-Album enthält - wiedermal mit einigen Walkabouts, professionell aufgenommen (keine Taperecordermikro-Mitschnitte!) und als eigenständiges Album genauso hörenswert wie die Best-of-Tracks. Wahrscheinlich hätte sich die Veröffentlichung dieses Materials ohne die Best-of-CD finanziell kaum gelohnt, also will ich mal den Ausverkauf-Vorwurf sein lassen. Außerdem gönne ich sowohl TLH als auch dem ostwestfälischen Glitterhouse-Label jeden Euro.

(sk)

 

Terry Lee Hale

Leaving West

(Glitterhouse/Efa) [9-96]

Es erfordert schon einiges Stehvermögen um als 43jähriger Musiker immer noch unverdrossen durch eher kleine Clubs zu tingeln und auf den großen Durchbruch zu warten. Terry Lee Hale ist so ein Mann mit Beharrungsvermögen und Glauben an seine Sache. Mit seiner "Leaving West" beweist er zudem, daß er sich musikalisch immer noch weiterentwickelt.

Auf seinen bisherigen Platten pendelte Terry Lee Hale stets zwischen Akustik-Folk und Folk-Rock. Erstmals hat er jetzt eine Platte selbst produzeirt und das hat sich ausgezahlt. Denn noch nie war er in seinen musikalischen Ausdrucksformen so vielfältig und unterhaltsam. Auch wenn er noch nicht so bekannt ist, als Musiker ist der Mann aus Seattle weit herumgekommen. Und hatte offenbar auf seinen Tourneen immer ein offenes Ohr für die Musik der Länder, die er bereiste. Er würzt seinen bislang sehr amerikanischen Stil mit Elementen europäischer Folkmusik. Diverse, ungewohnte Instrumente bereichern zudem das Klangbild. Hier eine Mariachi-Trompete, dort eine Maultrommel sorgen für musikalische Abwechslung und gelegentlich auch ironische Brechung der melancholischen Texte.

Auch wenn "Leaving West" Terry Lee Hales bislang unterhaltsamstes Album ist: seine Stärke bleibt die melancholische Ballade, die er mit einer gehörigen Portion Sehnsucht in der Stimme vorträgt. Darüberhinaus ist Hale ein exzellenter, in seiner Heimat mehrfach ausgezeichneter Gitarrist, der hier auch in einigen Gitarreninstrumentals sein Können zeigt. Dieser Mann hat den Erfolg verdient und er sollte ihn haben, bevor er in Pension geht.

(bg)

Cover Leaving West