CD-Kritik Zur Startseite

Michael Hall

Day

(Moll/Indigo) [3-96]

Auf seinen bisherigen Solo-LPs kombinierte Hall erd- und traditionsverbundene Rocksongs und melancholische Balladen. Ähnliches findet man auch auf seiner neuen CD.

Die rockigeren Stücke sind auf "Day" aber eindeutig in der Minderheit. Hier bemüht er sich weniger darum, eingängige Melodien umzusetzen, als vielmehr Stimmungen zu erzeugen. Reduktion heißt das Motto, bei der überwiegenden Anzahl der Stücke verzichtet Hall sogar auf das Schlagzeuger. Statt dessen überrascht er mit Instrumenten wie Standbaß oder Trompete

Michael Hall ist nicht nur ein exzellenter Songschreiber, sondern wurde in seiner Heimatstadt Austin bereits einmal zum Produzenten des Jahres gewählt. Auf "Day" scheint erstmals der Produzent Hall gleichberechtigt neben dem Songschreiber Hall zu stehen. Mut zu sparsam, fast minimal eingesetzten Klängen und überraschenden Arrangements macht "Day" zu Halls abwechslungsreichsten Album.

Es ist aber ganz bestimmt nicht sein fröhlichstes. Längst vorbei scheinen die Zeiten von Songs wie "Lets take some drugs and drive around", genauso wie ausgiebige Beziehungsproblematik. Stattdessen philosophische Weltbetrachtung, Rsignation und Tod (schon auf dem Booklet des Vorgängeralbums "Adequate Desire" reichten sich zwei Skelette die Hände). Heaven, Jesus, Babylon sind Begriffe, die in seinen Texten jetzt immer wieder vorkommen. Michael Hall als Sänger der Apokalypse?

(wm)

 

Cover-Michael Hall - Day

Michael Hall

Adequate Desire

(Dejadisc) [9-95]

Nach "Quarter To Three" von 1990 und "Love Is Murder" von '92 nun das dritte Werk von Michael Hall. Momentan nur als Export zu bekommen, aber natürlich trotzdem besprechenswert.

Persönlich, sich erinnernd, nachdenklich, sich orientierend, suchend bewegt sich Michael Hall musikalisch zwischen Singer/Songwriter, Rock, Neo-Folk und Country. Motto des Ganzen dürfte wohl sein: "Life is alright for the time being". Bewußtsein, daß alles mal ein Ende haben wird, dazwischen aber auch noch etwas ist. Mit dem man sich auseinandersetzen muß. "Hello Mr. Death, is that all you can do, is that your best? Mr. Death, I'm going nowhere... the guitars are out"

Es geht um Beziehungen, vergangene und nicht ganz vergangene ("I'm not asking for someting I have not already had... I'd give anything to just be where you are" - 'Merry Christmas From Mars'). Nachdenkliche Balladen wechseln mit fast Velvet Undergound-mäßigen Titeln ab ('I Just Do'), doch haben die ruhigen Titel die absolute Mehrheit. Konkrete Textpassagen ("Where's my girl?") bleiben in der Unterzahl, Bildersprache hat Vorrang. Die paßt auch besser zur Melancholie der Platte. Sonne, Mond, Regenbögen, Träume und etwas Sarkasmus passen gut zusammen. I had a dream. I thought I saw you in the rearview mirror, coming up fast, coming back to me. But then, as soon as not, you disappeared in my blindspot and I was going 80.

Bleibt noch was zu sagen?

Hello Mr. Death, I had a dream. Every day is an idea, every night is a career

Mehr sollte man nicht verlangen. Aber auch nicht weniger. Adequate Desire.

(ef)

Cover-Michael Hall: Adaequate Desire