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Tim Hardin

Tim Hardin 3 - Live In Concert

(Polydor)

Alle "Vinyl-Junkie" da draußen werden wissen wie es ist, wenn man jahrelang nach einer Platte sucht, sie dann endlich - vielleicht sogar zum Schnäppchenpreis - ersteigert und dann, noch keine Woche später, liest man irgendwo, daß es das kostbare Stück seit neuestem auch als CD-Reissue mit Bonustracks und neuer Abmischung gibt. Ärger Ärger - aber dafür hat man das Ding ja auch auf Platte im Schrank. Das eben beschriebene ist dem Schreiber dieser Zeilen, der desöfteren mal ganz gerne in der Oldie-Kiste rumkramt, unter anderem auch mit der Live-Platte von Tim Hardin aus dem Jahr 1968 passiert. Wegen der Bonustitel und wegen der extrem guten Musik, kann man sich aber ruhig auch beide Versionen dieses Albums zulegen. Aber nun zu den Fakten.

Tim Hardin veröffentlichte 1966 und 67 zwei wunderbare Platten, schlicht "Tim Hardin 1" und "2" betitelt (gibt es auch auf CD zum Nice-Price), herausgerbracht. Hardin stammt aus Eugene in Oregon und wuchs in einer musikalischen Familie auf. Er schwärmte schon in frühester Jugend für Blues, Jazz und Folk-Musik und verehrte Ray Charles und Charlie Parker. Seine eigene Musik war in erster Linie Folk-Musik mit sehr viel Blueseinflüssen. Auf beiden Platten gelangen ihm solche kompositorischen Meisterleistungen wie "If I Were A Carpenter" und "Reason To Believe", die später sehr oft gecovert wurden (u.a. Johnny Cash, Rod Stewart, Four Tops, Peter, Paul & Mary). Tim Hardin 1 und 2 kann man getrost als Klassiker dieser Musikepoche bezeichnen. Mit seiner unnachahmlichen Stimme voller Sehnsucht und Melancholie sang er seine Lieder in überzeugender Weise. Sein eindringliches Gitarenspiel und die sparsame Produktion ermöglichen es, daß man die Platten auch heute noch sehr gut hören kann.

"Tim Hardin 3 -Live In Concert" wurde am 10.April 1968 in der Town-Hall New York aufgenommen. Begleitet wurde der Blues-Folk-Sänger und Meisterkomponist von fünf Jazz-Musikern - Hardin kam ursprünglich auch aus der Jazz-Szene -. Entsprechend spannend klingt auch die Platte. Einige Lieder singt er nur zu seiner Gitarrenbegleitung, anderer werden von der Band (u.a. auch mit Vibraphon) äußerst genial begleitet. Folk-Blues mit einem Hauch Jazz könnte die Umschreibung der Musik auf der Platte heißen. Von der Songauswahl ist das Album eine Zusammenstellung der ersten beiden Platten. Von der Intensität und Spannung her kann man die Platte sicherlich als Hardins Meisterwerk feiern. Nach diesem Album veröffentlichte der scheue Sänger und Gitarrist zwar noch einige Platten, doch die Klasse seiner ersten drei Platten konnte er nie mehr erreichen.

Seine eigenen Platten verkauften sich auch nie sonderlich gut, sein Geld verdiente er in erster Linie durch die zahlreichen Coverversionen seiner Stücke. Tim Hardin bekam seine Heroinsucht, die bereits in den 60er Jahren anfing, nie unter Kontrolle. Er zog in den 70ern einige Jahre nach England, wo er auch einige Platten aufnahm. Mitte 1980 gab er in seinem Geburtsort ein von Freunden initiiertes Solo-"Homecoming-Concert", das auch für die gleichnamige Platte mitgeschnitten wurde. Hardin, zu diesem Zeitpunkt schon schwer von seiner Heroinsucht gezeichnet, sang ungemein intensive Versionen seiner alten Klassiker. Er starb wenige Wochen später an einer Überdosis Heroin. Dank einiger seiner Kompositionen ist er nie ganz in Vegessenheit geraten, trotzdem zählt Tim Hardin zu den tragischen Figuren der Pop-Geschichte. Als Dokument seiner überragenden Fähigkeiten als Sänger und Musiker ist die Live-Platte von 1968 uneingeschränkt zu empfehlen.

(tk)