CD-Kritik Zur Startseite

Hardknox

Hardknox

(Zomba)

Wenn Ihr Eure Anlage mal so richtig aufmischen wollt, dann legt Hardknox ein! Das klingt reißerisch, entspricht aber lediglich dem monsterhaften Sound des Big-Beat-Duos. Prodigy sehen arm dagegen aus, naja, sie sind zumindest melodischer verglichen mit Hardknox und machen im Gegensatz zu diesen regelrecht "Popsongs". Hardknox-Songs sind stets akustische Massaker, selbst noch im Downtempo: grimmig, bedrohlich und laut. Das besorgen die Verzerrer, ohne die keiner ihrer Takes auskommt. Und schön phatt kommen sie daher, mindestens so phatt wie Propellerhead, die dagegen allerdings wie zahme Dandys wirken. Nur um nochmal das aggressive Potential von Hardknox zu unterstreichen, aber das steckt ja schon im Namen... Hardknox bedienen sich hemmungslos im großen Elektronik-Supermarkt: Breakbeats, HipHop-Rhythmen, Drum&Bass, Metal-Gitarren, Acid-Elemente, Techno-Power, Dub-Flair, Ethno-Samples, Sirenen-Loops, Raps, Gekreische, wohlklingende Soul-Vocals etc. und verschmelzen all ihre Zutaten unter hohem Druck und bei großer Hitze. Trotzdem: cool!!! Noch ein Wort zur Band-Bio: Steve Proctor (aka Steve P) und Lindy Layton sind keine Unbekannten. Proctor war Drum&Bass-Künstler und Layton (gemeinsam mit Norman Cook aka Fatboy Slim) Mitglied bei Beats International ("Dub be good to me"). 1996 formierten sie Hardknox, veröffentlichten zwei Singles ("Fire like this" und "Psychpath", beide "Singleof the Week" im NME) beim Skint-Label, waren damit auf zahlreichenCompilations vertreten, remixten u. a. für Orgy und Faith No More, veranstalteten spektakuläre Live-Shows in ganz Europa und wirkten als DJs in London und Brighton. Außerdem traten sie beim 1999er Woodstock Festival auf! "Hardknox" ist ihr Debütalbum und kann sich wahrlich hören lassen. Es ist eine elektronische tour de force, ein ästhetischer Anschlag auf schwache Gemüter, ein musikalischer Muntermacher mit experimentellem Werkstatt-Charme und alles andere glatt, aber es flutscht. Definitiv!!!

(Katja Preissner)