CD-Kritik Zur Startseite

Honeyboy Hickling

Blue It

(Bridge/New Music)

"Blaumachen" ist seine Sache nun wirklich nicht. In den vergangenen 15 Jahren hat Simon Hickling etliche Gruppen und Solisten mit seinem exquisiten Mundharmonikaspiel bereichert: in den 80ern vornehmlich bei der in der Birmingham area beheimateten Bluesband THE DT's (DT steht für delirium tremens!), die schließlich zur backing group von Ex-SMALL FACE Steve Marriott avancierte. Simon blieb dem "cockney rebel" noch ein Weile treu; seine blues harp ist u. a. auf Steves letztem Album - vor dessen tragischem Rauch(er)tod 1991 - zu hören. Dann jammte "Honeyboy" mit illustren Leuten wie Bo Diddley und Paul Rodgers sowie Ex-WATERBOY Anthony Thistlethwaite. Mit letzterem nahm er Mitte der 90er auch zwei Alben auf.

Längst verspürte er Lust, auch selbst was auf die Beine zu stellen. Die DT's wurden wieder flott gemacht und agieren seither für ihn als Begleitband, denn auch als Frontmann (und Sänger) hat sich Simon inzwischen bewährt. Nach dem gelungenen Debütalbum "Straight From The Harp" legt er nun den zweiten Streich vor, verzichtet dabei gänzlich auf Fremdmaterial. Dies verhindert zwar "déjà écouté"-Momente, doch nach mehrmaligem Hören merkt man sehr wohl, daß Simon auch ein passabler Songwriter ist. Wozu allerdings seine formidable crew entscheidend beitrug, die in der britischen Blues- und Pubrockszene Rang und Namen hat und eben auch bisweilen die Ko-Autorenschaft beanspruchen darf. Die "alten Hasen" Geraint Watkins (Akkordeon, Keyboards), Ed Deane (Gitarre, Sitar), Gerry McAvoy (Baß) und Brendan O'Neal (Drums) - die letzten beiden bildeten jahrelang die rhythm sections für Rory Gallagher und NINE BELOW ZERO - wissen jedenfalls, wo's lang geht. Sie und Simon sind mit allen Spielarten des Blues, aber auch seinen Randgenres bestens vertraut. Das merkt man gleich beim Opener "Wonderful Tonight", einer schmissigen Cajun-Nummer, oder auch dem typischen City-Blues "Eddie Had To Leave Chicago" mit verfremdetem Call-Box-Gesang. Von den elf lässig und locker eingespielten Stücken gefällt mir "Blind Owl" am besten; diese dem CANNED HEAT-mastermind Al Wilson gewidmete Ballade fällt aus dem Rahmen, bietet mehr als nur solides Blues-Einerlei, nicht nur wegen Ed Deanes Sitar und O'Neals Percussion. Von solchen experimentierfreudigeren Tönen hätte ich mir mehr gewünscht. Und auch das biedere Cover trägt nicht gerade dazu bei, auch bei nicht so hartgesottenen Blues-Freaks das Interesse an diesem Album zu wecken. Gleichwohl, wer "Gute-Laune"-Blues der Depro-Variante vorzieht, der kommt bei Simon Hickling voll auf seine Kosten.

(rs)