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Sixteen Horsepower:

Olden

(Glitterhouse/Indigo)

Sixteen Horsepower sind hinabgestiegen in die Grabkammern und haben lang schlummernde Stücke ihrer letzten Ruhe beraubt. Die Raritätensammlung "Olden" umfasst je eine Session aus dem Jahr 1993/1994 und einen Live-Mitschnitt aus Denver (1994). Die meisten der 18 Songs tauchen in dieser oder ähnlicher Form auf den regulären Alben von Sixteen Horsepower auf. Aber allein "American Wheeze", das hier zwei Mal dabei ist, zeigt, wie sehr die Musik von Sixteen Horsepower einer permanenten Veränderung unterliegt. Auch die hier vertretene Version von "Low Estate" mit der Studioversion von 1997 und dem Live-Mitschnitt von "Hoarse" zu vergleichen ist ein interessanter (wenn auch sinnloser) Zeitvertreib. Für Einsteiger ist "Olden" sicherlich nicht geeignet, für Sixteen Horsepower Junkies aber unverzichtbar.

(dmm)

>>> 16 Horsepower Interview <<<

 


16 Horsepower

Hoarse

(Glitterhouse Records)

"...denn ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn kommen wird wie ein Dieb in der Nacht."
(Th 5,2)

Bis es soweit ist, martern uns 16 Horsepower mit düsteren Vorahnungen und apokalyptischen Szenarien. Das aktuelle Live-Album wurde schon 1998 mitgeschnitten und gab es schonmal im kleinen Rahmen als Mailorder-Only-CD, daher fehlen Songs von "Secret South" komplett. Schade, ändert aber nichts an der wahnsinnigen Ausstrahlung der Band.

3 geschmackvolle Coverversionen und acht eigene Tracks zeigen die Band sehr direkt und genauso manisch wie bei den Studioalben. Bei Gun Club's "Fire Spirit" rocken sie sogar ziemlich straight vom Leder. Ansonsten wird der Live-Mitschnitt von der ungewöhnlichen Instrumentierung und David Eugene Edwards' Stimme dominiert. Vom Publikum hört man wenig, aber so düstere Schlepper wie "For Heaven's Sake" eignen sich halt auch nicht zum Mitgröhlen. Höchstens zum Mitschaudern, denn live sind 16 Horsepower fast noch intensiver als im Studio.

(dmm)

16 Horsepower

Secret South

(Glitterhouse Records)

Ho, Brauner! Davis Eugene Edwards reitet wieder durch die mentale Prärie. Aber anstatt die Weiten des kargen Landes zu vertonen, sind 16 Horsepower auch auf ihrem neuen Album gewohnt klaustrophobisch. Mit "kompakt" kann man ihren Sound gar nicht beschreiben, "eng" trifft es eher. Und Edwards singt nicht, er proklamiert. Seit ich 16 Horsepower kenne, überlege ich, an wen mich seine Stimme noch erinnert. Und jetzt die Erleuchtung: Schlagt mich tot (nein, so was tun wir bei Hinternet nicht - Red.), aber er klingt wie eine manische Mischung aus Mike Peters (The Alarm) und Liam Ó Maonlaí (Hothouse Flowers).

Aber nicht nur sein Gesang, auch die Musik lohnt sich: Der rumpelnde Opener "Clogger", das bittersüße "Poormouth" oder das karge "Silversaddle" - hier kämpft in den Instrumentalparts ein einsames Klavier um ein bisschen Melodie, um dann vom monotonen Gesang immer wieder besiegt zu werden. Insgesamt ist "Secret South" das bislang eingängigste Album von 16 Horsepower, von Schönklang und Melodiösität aber (zum Glück!) immer noch weit entfernt. Einzige Ausnahme ist der Dylan-Song "Nobody Cept You" - im Kontext der CD ist das schon fast Mainstream.

(dmm)

 

Cover 16 Horsepower - Secret South

 

 

Sixteen Horsepower

Low Estate

(A&M) [10-97]

"Hillybilly" nannte man Anfang des Jahrhunderts in den USA einen Bewohner der Appalachen - und meinte damit wenig schmeichelhaft soviel wie "Hinterwäldler". Der Begriff stammt übrigens noch aus den zwanziger Jahren, als Plattenfirmen anfingen, mit dem Etikett "Hillybilly" für weiße amerikanische Volksmusik zu werben und sich so von der vermeintlich kommerzielleren Country & Western-Stilart abzusetzen.

Jedenfalls gibtīs auch Ende des 20. Jahrhunderts noch junge Bands, die sowas wie "Hillybilly" machen - eben "Sixteen Horsepower", ein Quartett aus Denver, also für mich klingtīs wie holpriger Country oder ums kurz zu machen: ein Album aus der Abteilung Yeeha! Der skurrile, kauzig-knorrige Sound auf "Low Estate" resultiert in erster Linie aus der Instrumentierung: neben der obligatorischen Gitarre-Baß-Schlagzeug-Besetzung kommen auch Cello und Fiddle, Klavier und Orgel, Banjo, Bandoneon und eine Drehleier (auch Hurdy Gurdy genannt) zum Einsatz - darunter sogar wahre Antiquitäten, zum Teil noch aus dem vorigen Jahrundert.
Doch auch wenn die "4 mal 4 PS" stilistisch in Country-, Blues- und Folk-Traditionen wurzeln - ihre Zweige strecken sie sehr handfest in rockigem Areal aus, meist recht herzhaft und derb. Insgesamt sind die Songs dieser CD geprägt von grimmiger Melancholie und düsterem Pathos, was sich sowohl in den Texten, als auch in den Melodien und Harmonien niederschlägt.

Das mag zunächst verwundern, Country-Music kommt ja bekanntlich eher leichtfüßig daher, aber damit ist eben nur die eine, klischeehafte Seite der Medaille erfaßt, und "Sixteen Horsepower" haben mit fröhlich-lärmender Folklore ungefähr soviel gemeinsam, wie die historischen Western-Kultfiguren Jesse James und Billy the Kid mit liebenswerten Originalen. Hier ist nun mal keine unbedarfte Nostalgiker-Truppe am Werk, sondern eine Band, deren Musik sich - ungeachtet aller stilistischen Patina - sehr eigenwillig und erfrischend Bahn bricht --- und alles andere als gestrig wirkt! Ich würde allerdings nicht meinen Kopf darauf verwetten, daß jeder, der gern Country hört, auch Sixteen Horsepower mag, auch wennīs für mich zutrifft...

(Katja Preissner)

 

Cover 16 Horsepower